In einer bislang einmaligen Geste teilte der iranische Geistliche Ayatollah Abdol-Hamid Masoumi-Tehrani seine Wertschätzung für die Bahá’í im und außerhalb des Irans mit. Der auch als Kalligraph bekannte Geistliche machte gestern öffentlich, dass er den Bahá’í der Welt von ihm illustrierte Verse aus den Schriften Bahá’u’lláhs übergeben habe, des Stifters der Bahá’í-Religion.

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Ayatollah Tehrani teilte auf seiner Webseite mit (die englische Übersetzung seiner Stellungnahme hier), dass er die Kalligraphie zur Erinnerung angefertigt habe, wie wichtig es sei, „alle Menschen wertzuschätzen, friedlich miteinander zu leben, zusammenzuarbeiten und sich gegenseitig zu unterstützen, Hass zu vermeiden genauso wie Feindschaft und religiöse Vorurteile.“

So entstammt der Textauszug, den er für die Kalligraphie an die Bahá’í aussuchte, aus Bahá’u’lláhs Kitab-i-Aqdas: „Verkehret mit allen Religionen in Herzlichkeit und Eintracht, auf dass sie Gottes süße Düfte von euch einatmen. Hütet euch, dass euch im Umgang mit den Menschen nicht die Hitze törichter Unwissenheit übermanne. Alles hat seinen Anfang in Gott und alles kehrt zu Ihm zurück. Er ist aller Dinge Ursprung, und in Ihm haben alle Dinge ihr Ende.“

Das komplexe Kunstwerk bedurfte sorgfältiger Handarbeit über mehrere Monate hinweg. In seinem Zentrum stellt es ein Symbol der Bahá’í dar, das als „Größter Name“ bekannt ist. Dieses Symbol ist selbst eine Kalligraphie, die die Beziehung zwischen Gott, Seinen Propheten und der Schöpfung darstellt. Das Werkt misst rund sechzig mal siebzig Zentimeter und ist im klassischen Stil ausgeschmückt.

Ayatollah Tehrani übergab diese auserlesene Arbeit allen Bahá’í der Welt, wie er betont, besonders aber den Bahá’í in der Islamischen Republik Iran, die „auf so vielfältige Weise unter blinden religiösen Vorurteilen gelitten haben“. Es sei „ein Ausdruck der Sympathie und Fürsorge von mir und im Namen aller meiner wohlmeinenden Mitbürger.“

Ein Akt der Hochherzigkeit

Seine Hoffnung sei es, dass dieses Geschenk, „das das Universale Haus der Gerechtigkeit aufbewahren wird [das ist die international höchste Körperschaft der weltweiten Bahá’í-Gemeinde mit Sitz in Haifa, Israel, d. Red.], als Erinnerung an die reiche jahrhundertealte iranische Tradition der Freundschaft und seiner Kultur des Miteinanders dienen wird.“

In Antwort darauf teilte Bani Dugal, Sprecherin der Internationalen Bahá’í-Gemeinde am Sitz der Vereinten Nationalen in New York, mit: „Die Internationale Bahá’í-Gemeinde ist tief berührt über diesen Akt der Hochherzigkeit und den Empfindungen religiöser Toleranz und des Respekts der menschlichen Würde, die er geweckt hat.“

„Diese mutige Handlung eines hohen islamischen Geistlichen ist im zeitgenössischen Iran ohne Beispiel“, so Frau Dugal. „Sie ist außerdem im Lichte der fortdauernden und systematischen Verfolgungen der Bahá’í-Gemeinde dieses Landes durch die islamische Regierung bemerkenswert.“

Bereits bei vorangegangenen Gelegenheiten hatte Ayatollah Teherani mit großem Mut seine Sorge über die fortdauernden und schwerwiegenden Verfolgungen religiöser Minderheiten, darunter die der Bahá’í im Iran, öffentlichkeitswirksam kundgetan. Ayatollah Tehranis weitere Arbeiten umfassen Schmuckausgaben des Koran, der Torah, der Psalmen, des Neuen Testaments und des Buchs Esra aus der hebräischen Bibel. Seine schmuckvolle Abschrift einiger Psalmen ist derzeit in der Kongress-Bibliothek in Washington D.C. zu sehen. (BWNS)

Der Menschenrechtsrat der UN stimmte mit überwältigender Mehrheit dafür, das Mandat des Sonderberichterstatters für den Iran zu verlängern. Nach Aussage der Internationalen Bahá’í-Gemeinde zeige dies, dass die Staatengemeinschaft mit der ausgezeichneten Arbeit von Dr. Ahmed Shaheed zufrieden sei. Die Staaten erwarteten, dass der Iran seine Menschenrechtsversprechen erfülle.

03-12-2013shaheed“Das heutige Votum, das Mandat von Dr. Ahmed Shaheed zu verlängern, ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die Welt von Präsident Rohani und seiner Regierung bei den Menschenrechten Taten und nicht nur Worte erwartet,“ meinte Diane Ala’i, Sprecherin der Internationalen Bahá’í-Gemeinde bei den Vereinten Nationen in Genf, nach der Abstimmung gegenüber dem Bahá’í World News Service.

Die Abstimmung mit 21 zu 9 Stimmen bei 16 Enthaltungen erfolgte am 28. März nach einem neuerlichen Bericht von Dr. Shaheed, der ehemals Außenminister der Malediven war, sowie nach einem Bericht von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon. Beide meinten, der Iran habe die fortwährenden Menschenrechtsprobleme im Iran während des letzten Jahres im Grunde nicht in Angriff genommen.

Auch wenn Dr. Shaheed und Ban Ki-moon kleine Verbesserungen zur Kenntnis nahmen, sagten sie, dass der Iran weiterhin zahlreiche und schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen begehe. Dazu zählen die hohe Rate an rechtswidrig angewendeten Hinrichtungen, die fortwährende Unterdrückung der Frauen, das Anwenden von Folter, das ungerechtfertigte Inhaftieren von Journalisten, Menschenrechtsaktivisten sowie von Minderheiten, darunter auch Angehörige der iranischen Bahá’í-Gemeinde.

„Berichten zufolge sind Hunderte Menschen in Haft, weil sie von ihren grundlegenden Rechten Gebrauch machten, darunter etwa 39 Journalisten und Blogger, 92 Menschenrechtsverteidiger, 136 Bahá’í, 90 sunnitische Muslime, 50 Christen und 19 Derwische“, stellte Dr. Shaheed letzte Woche während der Vorstellung seines Berichts vor dem Rat fest.

Diane Ala’i meinte, der Weg, den der Iran einschlagen muss, sei damit eindeutig.  „Der Iran kann damit beginnen, unter anderem die 136 Bahá’í freizulassen, die ausschließlich aufgrund ihrer religiösen Überzeugungen in Haft sind. Die Regierung kann es zudem den Bahá’í-Jugendlichen leicht erlauben, sich an Universitäten einzuschreiben. Und auch der Praxis, Razzien in den Häusern von Baha‘í durchzuführen und ihre Bewohner willkürlich festzunehmen, kann mit nur einem Federstrich in Teheran aufhören.“

„Da die Bahá’í sich der Gewaltlosigkeit und dem Gehorsam gegenüber den Behörden verschrieben haben, würden diese Maßnahmen keine Bedrohung für die Regierung darstellen und können rasch umgesetzt werden“, fügte sie hinzu.

“Der Iran muss auch die Sorge der internationalen Staatengemeinschaft Rechnung tragen, indem Dr. Shaheed Erlaubnis erhält, das Land zu besuchen”, sagte Ala’i. „Die Tatsache, dass Dr. Shaheed nie die Erlaubnis erhalten hat, den Iran zu besuchen, ist nur ein weiterer Beweis dafür, dass die iranische Regierung die internationalen Menschenrechtsmechanismen missachtet.”

Der Iran führe eine “systematische Kampagne zur Ausrottung der Bahá’í”, zitiert Christian Solidarity International (CSI) den Sprecher der britischen Bahá’í-Gemeinde, Kishan Manocha, in einer Pressemitteilung. Dessen Referat, gehalten am 18. März 2014, in Zürich, war der neunte Beitrag in einer Vortragsreihe von Christian Solidarity International zu den religiösen Minderheiten im Nahen/Mittleren Osten. Christian Solidarity International („Christliche Solidarität International“), ist ein internationales christliches Hilfswerk, das sich weltweit für verfolgte Christen einsetzt.

Unter dem Titel “Ausserhalb des Gesetzes? Die Bahá’í und der politische Wandel im Iran” stellte Manocha auf Einladung von CSI klar, dass im Gegensatz zu anderen religiösen Minderheiten wie Christen, Juden und Zoroastriern die Bahá’í von der iranischen Verfassung nicht geschützt werden und deshalb keinerlei Rechte im Iran haben. “Häufig ahnden iranische Gerichte Übergriffe auf Bahais nicht, da diese als ‘Ungläubige, die keinen rechtlichen Schutz geniessen’ betrachtet werden”, sagte Manocha.

Trotz Reformrhetorik von Präsident Hassan Rohani und einem Übergangsabkommen mit westlichen Regierungen im Atomstreit sei die Situation der Religionsfreiheit weiterhin “haarsträubend”, sagte Dr. Kishan Manocha gestern Abend in Zürich. Manocha ist Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der National Spiritual Assembly of the Baha’is in Grossbritannien. “Der Iran könnte das Übergangsabkommen dazu nutzen, um von der zunehmenden Misshandlung religiöser Minderheiten abzulenken”, sagte Manocha. “Die Menschenrechte müssen bei allen Kontakten mit dem Iran thematisiert werden. Sie dürfen nicht auf dem Altar des politischen Opportunismus geopfert werden.”

Kishan Manochas einstündiger Vortrag kann hier mit deutscher Synchronübersetzung nachverfolgt werden. Unser Dank gilt Christian Solidarity International.

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Im Rahmen der offiziellen Präsentation seines Jahresberichtes an den UN-Menschenrechtsrat in Genf am 18. März 2014 sieht Ahmed Shaheed, UN-Sonderberichterstatter über Menschenrechte im Iran, im Großen und Ganzen die Menschenrechte im Iran seit der Wahl von Präsident Hassan Rouhani 2013 trotz seiner Versprechungen den Bürgern mehr Rechte einzuräumen und Diskriminierungspraktiken zu beseitigen nicht wesentlich verbessert.
Dr. Shaheed stellte fest, dass der Iran zwar einzelne Schritte unternommen habe, um die Menschenrechte zu stärken, die Regierung jedoch weiterhin internationale Rechtsprechung verletze, Frauen unterdrücke und ethnische und religiöse Minderheiten, darunter auch die Mitglieder des Bahá’í-Glaubens, unterdrücke:

“Weil sie ihre Grundrechte ausübten befinden sich hunderte Menschen Berichten zufolge in unterschiedlichen Formen von Haft; darunter etwa 39 Journalisten und Blogger, 92 Menschenrechtsverteidiger, 136 Bahá’í, 90 sunnitische Muslime, 50 Christen und 19 Derwische,” sagte Dr. Shaheed.

Sowohl in seinem letzte Woche veröffentlichten Bericht, als auch vor dem UN-Menschenrechtsra gestern bemerkte Dr. Shaheed, dass die vom Iran ausgearbeitete Menschenrechtscharta zwar „ein Schritt in die richtige Richtung“ sei, dass sie jedoch „was gleiche Menschenrechte für Frauen und Mitglieder der religiösen und ethnischen Minderheiten des Landes betreffe, hinter den Erwartungen zurückbleibe.” …

“Sie lässt auch die Anwendung grausamer, unmenschlicher und entwürdigender Strafen, darunter Auspeitschen, Hängen, Steinigung und Amputationen außer Acht.”
“Die Charta verbietet weder die Hinrichtung Minderjähriger noch äußert sie sich über die Anwendung der Todesstrafe, insbesondere für Straftaten, die unter internationalem Recht nicht zu den schwerwiegendsten Verbrechen zählen,” sagte Dr. Shaheed.

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki-moon unterbreitete  letzte Woche dem Rat seinen Jahresbericht über Menschenrechte im Iran. Auch er wies darauf hin, dass er für die Bahá’í und andere religiöse Minderheiten keine Verbesserung feststellen könne und sich die Gesamtsituation der Menschenrechte im Iran nur wenig verbessert hätte.

“Es gab keine Verbesserungen der Situation religiöser und ethnischer Minderheiten, die weiterhin schwerwiegende Einschränkungen ihrer bürgerlichen, politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte erleiden”, sagte Ban. „Religiöse Minderheiten wie Bahá’í und Christen sind Verletzungen ausgesetzt, die in Gesetz und Praxis fest verwurzelt sind.“

Bei der als Dialog gehaltenen Präsentation von Dr. Shaheed waren Delegationen und Nichtregierungsorganisationen eingeladen seinen Bericht zu hinterfragen und zu kommentieren.
Neben der Europäischen Union, die in ihrer Stellungnahme die Bahá’í erwähnte, drückten vor allem folgende 10 Länder ihre Sorge über die fortwährende Verfolgungen der iranischen Bahá’í aus: Österreich, Belgien, Australien, Botswana, Frankreich, Deutschland, Irland, die Schweiz, Großbritannien und die USA.

Irland sagte: “Die Situation der Mitglieder religiöser Minderheiten ist weiterhin besorgniserregend.”

“Im Bericht des Sonderberichterstatters fällt uns insbesondere die Situation der Bahá’í auf, darunter dass sie regelmäßig für die Teilnahme an Gemeindeangelegenheiten verfolgt werden, einschließlich der Organisation und Durchführung von Bildungsangeboten oder der öffentlichen Teilnahme an Andachtsversammlungen, dass ihnen aber typischerweise Sicherheitsvergehen angelastet werden wie Spionage oder „Propaganda gegen das herrschende System“.

Botswana sagte: “Wir fordern den Iran ebenfalls auf, die Diskriminierung religiöser Minderheiten, einschließlich der Bahá’í, zu beenden.“

Die Schweiz fragte, warum die Bahá’í “wachsender Unterdrückung ausgesetzt seien, obwohl sie im Iran sehr zurückhaltend“ und „nicht regierungskritisch“ seien.

Unter den Vertretern von Nichtregierungsorganisationen nahm auch Diane Ala’i, Sprecherin der Internationalen Bahá’í-Gemeinde bei den Vereinten Nationen in Genf, an der Sitzung teil und Äußerte sich wie folgt:

„Bisher hat sich die Situation der iranischen Bahá’í nicht verbessert”, sagte Diane Ala’I zu Dr. Shaheed. „Wie Sie selbst anmerkten sind 136 Bahá’í ausschließlich aus religiösen Gründen in Haft und nicht ein Bahá’í-Jugendlicher durfte ihre oder seine Studien an einer iranischen Universität abschließen – die meisten werden erst gar nicht zugelassen. Geschäfte werden weiterhin versiegelt, Anstellung im öffentlichen Dienst ist verboten, Friedhöfe werden geschändet und in den staatlich geführten Medien wird ungezügelt zu Hass angestiftet.”

In einem Interview mit der Online-Ausgabe der “Welt” empfiehlt die iranische Friedensnobelpreisträgerin von 2003, Shirin Ebadi, der EU,  ”dem Iran vier sehr einfache, machbare Dinge abzuverlangen, bevor sie in einen ernsthaften Dialog tritt.” Ausgehend von der Hoffnung, dass das Ziel eines politischen Dialogs der EU mit dem Iran die Verbesserung der Menschenrechtssituation in ihrem Heimatland ist, fordert Ebadi:

Bevor es eine EU-Vertretung dort geben dürfe, müsse die iranische Führung erst zeigen, dass sie menschenrechtliche Minimalstandards einzuhalten bereit sei.

Im Rahmen des Interviews, dass am Rande eines Treffens von Shirin Ebadi mit Abgeordneten des Europaparlaments stattfand, erläutert sie vier einfache Vorbedingungen für einen Dialog, die für den Iran nach geltendem Recht umsetzbar sind. So fordert sie neben der Einstellung öffentlicher Hinrichtungen, des Stopps von  Hinrichtungen Minderjähriger und der Einreiseerlaubnis für den UN-Berichterstatter zu den Menschenrechten im Iran, Ahmed Shaheed, den Zugang zu Universitäten für Bahá’í:

… Was weiterhin dazugehört: Angehörige der Glaubensgemeinschaft der Bahai sollten endlich Universitäten besuchen dürfen. Diese Religion ist im Iran entstanden, 350.000 Bahai leben im Land. Seit 1979 dürfen sie sich nicht an einer Universität einschreiben, obwohl das Gesetz das gar nicht verbietet. Auch das wäre einfach zu ändern. Und viertens: Das Regime sollte dem UN-Berichterstatter zu den Menschenrechten im Iran, Ahmed Shaheed, endlich erlauben, ins Land zu reisen. Wenn die Regierung zu diesen Bedingungen bereit ist, könnte die EU den Dialog beginnen und auch eine EU-Delegation für den Iran gründen.