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Die Festnahme von zehn Bahá’í lässt um andere Inhaftierte fürchten

Kamalabadi wird nach knapp zehn Jahren ungerechter Haft Ende Oktober freigelassen. Hier wird sie von Familienangehörigen vor dem Evin-Gefängnis in Empfang genommen.

Die Internationale Bahá’í-Gemeinde hat heute eine Erklärung veröffentlicht, wonach vor dem Hintergrund fehlender Informationen über den Verbleib von zehn am 3. Januar festgenommenen Bahá’í die Sorge wächst, dass die gegen sie erhobenen Anklagen als falsche Beweismittel in dem derzeit stattfindenden Verfahren gegen die sieben ehemals führenden Bahá’í genutzt werden könnten. Diese sind seit Frühjahr 2008 inhaftiert. Ihre Verhandlung wird am 7. Februar vor dem Teheraner Revolutionsgericht fortgeführt.

„Wir befürchten, dass die Behörden aus Mangel an jeglichen Beweisen versuchen könnte, die unlängst inhaftierten Bahá’í zu zwingen zu gestehen, dass sie auf „Anweisung“ ihrer „Führer“ an der Organisation der Ashura-Demonstrationen im Dezember beteiligt waren“, sagte Bani Dugal, Sprecherin der Internationalen Bahá’í-Gemeinde bei den Vereinten Nationen in New York.

„Solch eine Anschuldigung wäre absurd, da die sieben ehemals führenden Bahá’í seit zwei Jahren in Haft sind“, sagte sie.

Das Committee of Human Rights Reporters hat die Fotos einiger der zehn inhaftierten Baháí veröffentlicht, unter ihnen befinden sich auch zwei Ehepaare

Das Committee of Human Rights Reporters hat die Fotos einiger der zehn inhaftierten Bahá'í veröffentlicht, unter ihnen befinden sich auch zwei Ehepaare

Seitdem die zehn Bahá’í am 3. Januar inhaftiert wurden, sind in regierungsnahen iranischen Medien Berichte veröffentlicht worden, denen zufolge die zehn Bahá’í im Zusammenhang mit den Demonstrationen im Dezember stünden und im Rahmen eines Komplotts gegen die Regierung Waffen und Munition in ihren Häusern besessen hätten.

„Die zehn Bahá’í sind buchstäblich im iranischen Haftsystem verschwunden“, sagte Bani Dugal.

„Es ist nicht bekannt, ob jemand von den zehn tatsächlich an den Ashura-Demonstrationen anwesend war. Auf jeden Fall ist jede Vermutung, dass sie an der Organisation beteiligt oder im Besitz von Waffen waren, die gegen die Regierung eingesetzt werden sollten, ohne jede Grundlage“, sagte Bani Dugal.

„Während der drei Wochen, seit denen diese Bahá’í in Haft sind, hatten die Familien bis auf einen kurzen Telefonanruf gegenüber eines Familienmitglieds, der am 11. Januar erfolgte, keinen Kontakt mehr.“

Es wurde jedoch bekannt, dass die zehn Bahá’í kürzlich in das Gohardasht-Gefängnis in Karaj verlegt worden seien.

„Ein Mithäftling von einigen der Bahá’í-Gefangenen, der kürzlich entlassen wurde, informierte die Familien über diese Verlegung“, berichtete Bani Dugal.

„Wir wissen nicht, was dies zu bedeuten hat, aber wir wissen, dass Angehörige versuchten, den Gefangenen Kleidung und Geld zu bringen. Das Geld wurde von den Behörden in Karaj angenommen, die Kleidung jedoch nicht.”

Die zehn Bahá’í, die am 3. Januar verhaftet wurden, sind Leva Khanjani, eine Enkelin von Jamaloddin Khanjani, einem der sieben Bahá’í-Führer, und ihr Mann Babak Mobasher, Artin Ghazanfari und seine Frau, Jinous Sobhani, die ehemalige Sekretärin von Nobelpreisträgerin und Menschenrechtsanwältin Shirin Ebadi, die Brüder Mehran und Farid Rowhani, Payam Fanaian, Nikav Hoveydaie sowie Ebrahim Shadmehr und sein Sohn Zavosh Shadmehr.

Unterdessen ist auch bekannt worden, dass der Prozess gegen die sieben ehemals führenden Bahá’í am 7. Februar dem Vernehmen nach öffentlich stattfinden soll. Laut regierungsnahen Nachrichtenagenturen wurden die Sieben der „Spionage”, „der Propagandaaktivitäten gegen die Islamische Ordnung, des Aufbaus einer illegalen Verwaltung, der Kooperation mit Israel, des Versendens von Geheimunterlagen ins Ausland, Tätigkeiten gegen die nationale Sicherheit“ sowie der „Korruption auf Erden” angeklagt. Vor Gericht hatten die Angeklagten alle diese Anklagen ausdrücklich abgestritten.

Bani Dugal sagte, dass der vorsitzende Richter die nächste Gerichtsverhandlung auf den 7. Februar festgesetzt habe. Diese Verhandlungsrunde werde wohl öffentlich geführt werden und die Anwesenheit der Angehörigen offenbar zugelassen. Die erste Verhandlungsrunde war unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt worden.

Die sieben Mitglieder der ehemaligen Bahá’í-Führungsriege Fariba Kamalabadi, Jamaloddin Khanjani, Afif Naeimi, Saeid Rezaie, Mahvash Sabet, Behrouz Tavakkoli und Vahid Tizfahm.