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Eine abenteuerliche ideologische Kurve

Mahvash Sabet wird am 18. September 2017 nach neuneinhalb Jahren ungerechter Haft aus dem Gefängnis entlassen.

Der Standard aus Wien schreibt heute über die schwerwiegenden Anschuldigungen, die in jüngster Zeit gegen die iranischen Bahá’í vorgebracht werden. Gudrun Harrer berichtet über angebliche Verbindungen zur iranischen Opposition:

Aber nicht nur die Bahai selbst sind gefährdet, die Tendenz geht dahin, den Oppositionspolitikern Mir-Hossein Mussavi und Mehdi Karrubi ein gemeinsames Komplott mit der verfolgten Religion nachzusagen. Von einer „strategischen Partnerschaft“ ist etwa auf der Javan-Website die Rede… Und mit ihnen im Bunde sei Karrubi (auf dessen Auto vor wenigen Tagen ein Schussattentat verübt wurde): „Eine Beraterin eines der Präsidentschaftskandidaten, der einen Turban trägt“ habe typischerweise den Bahaismus verteidigt. Und sie halte sich mit ihrem Ehemann soeben in Großbritannien auf, wo beide als Spione ausgebildet würden.

Die staatlich gelenkten Medien schafften darüber hinaus noch „eine andere abenteuerliche ideologische Kurve“:

Mit dem Bahaismus werfen sie auch noch die saudi-arabische sunnitische Doktrin, den Wahhabismus (der seine Anfänge im 18. Jahrhundert hat), in den Ketzertopf… Die konservative Zeitschrift Kayhan macht darauf aufmerksam, dass Saudi-Arabien als einziges Land eine Uno-Resolution unterstützt habe, in der Iran wegen Menschenrechtsverletzungen verurteilt wurde. Das sei verständlich, wenn man bedenke, dass der „Wahhabismus wie der Bahaismus ein Produkt des britischen Kolonialismus sei“.

Die Internationale Bahá’í-Gemeinde hat die absonderlichen Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen. Erst am vergangenen Wochenende bezeichnete sie die jüngsten Anschuldigungen als „glatte Lüge“. Die Webseite der Bahá’í-Gemeinde Deutschland hatte hierzu am Montag die Sprecherin der Bahá’í-Gemeinde am Sitz der Vereinten Nationen in Genf, Diane Ala’i, zitiert:

Ohne Zweifel brachte die Regierung diese völlig haltlosen Vorwürfe auf, um die Stimmung aus Vorurteilen und Hass gegen die Bahá’í-Gemeinde weiter anzuheizen. Die Bahá’í im Iran leiden seit über einem Jahrhundert unter allen möglichen Arten von Verfolgung und haben nie zu Waffen gegriffen. Und das weiß auch jeder. Leider greift die iranische Regierung wieder einmal auf glatte Lügen zurück, um ihre ruchlosen Absichten gegen die Bahá’í-Gemeinde zu verfolgen. Sie sollte wissen, dass diese Lügen absolut unglaubwürdig sind… Diese neuesten Anschuldigungen sind so weit her geholt, dass es lachhaft wäre, würden sie nicht ganz offensichtlich das Leben unschuldiger Menschen bedrohen… Wie bereits früher gesagt, zielt die iranische Regierung darauf ab, andere – seien es ausländische Mächte, internationale Organisationen, Medien, Studenten, Frauen und Terroristen – für die Unruhen im Lande verantwortlich zu machen, anstatt selbst die Verantwortung dafür zu übernehmen.