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Erneut Gewaltausbrüche gegen Bahá’í im Iran

Kamalabadi wird nach knapp zehn Jahren ungerechter Haft Ende Oktober freigelassen. Hier wird sie von Familienangehörigen vor dem Evin-Gefängnis in Empfang genommen.

In der vergangenen Woche wurden in der iranischen Provinz Mazandaran Häuser von etwa fünfzig Bahá’í-Familien zerstört. Der Vorfall trug sich in dem abgelegenen Dorf Ivel in der am Kaspischen Meer gelegenen Provinz zu, als eine aufgeheizte Menschenmenge für mehrere Stunden die Zufahrt zum Dorf blockierte und nur Lastwagen und vier Schaufellader passieren ließ, die schließlich die Häuser der Bahá’í dem Erdboden gleichmachten. Die Zerstörungen waren Teil eines langfristigen, von Regierungsstellen der Region betriebenen Programms, das jegliche Aktivität der Bahá’í zu unterbinden sucht.

Auf einem Amateurvideo, das mit mobilen Telefonen aufgenommen und von iranischen Menschenrechtsaktivisten ins Internet gestellt wurde, sind heftige Feuer und einige Gebäude zu sehen, die offenbar in Schutt und Asche gelegt wurden. Die Zerstörungen waren Teil eines langfristigen, von Regierungsstellen der Region betriebenen Programms, das jegliche Aktivität der Bahá’í zu unterbinden sucht.

Auf einem Amateurvideo, das mit mobilen Telefonen aufgenommen und von iranischen Menschenrechtsaktivisten ins Internet gestellt wurde, sind heftige Feuer und einige Gebäude zu sehen, die offenbar in Schutt und Asche gelegt wurden.

„Der Umgang mit Muslimen ist ihnen verboten und sogar ihren Freunden und Nachbarn dürfen sie nicht helfen”, sagte Diane Ala’i, Sprecherin der Internationalen Bahá’í-Gemeinde bei den Vereinten Nationen in Genf. „Sogar die kleinsten Handlungen aus Menschenfreundlichkeit wie beispielsweise, jemandem im Krankenhaus Blumen zu bringen oder an Waisenhäuser zu spenden, werden als Handlungen gegen das Regime aufgefasst.“

Die meisten der nun zerstörten Häuser in Ivel standen leer, da ihre Bewohner nach früheren Gewaltausbrüchen und als Folge einer offiziellen Vertreibungspolitik wegziehen mussten. So wurden bereits 1983 rund dreißig Familien aus diesem und den benachbarten Dörfern in Busse gesetzt und vertrieben. Zuletzt brannte man 2007 sechs Häuser nieder. Die meisten Bewohner kamen dennoch regelmäßig in ihr Dorf zurück, um ihre Felder zu bestellen oder abzuernten.

Auch am Tag nach den Zerstörungen besuchte ein Bahá’í mit seiner Familie den Ort, um wenigstens seine Ernte zu retten. Er wurde von den anderen Dorfbewohnern geschlagen und beleidigt. Das ist kein Einzelfall: in der Vergangenheit wurden die Bahá’í, die versuchten in ihre Häuser zurückzukehren, wiederholt vertrieben.

„Seit mehr als einhundert Jahren leben Bahá’í in dieser Gegend“, sagte Diane Ala’i, „und es war einmal eine große Gemeinde. Die Bahá’í versuchten in all den Jahren vergeblich, ihr Recht einzuklagen.“ Mitglieder der Bahá’í-Gemeinde hätten bei den örtlichen Behörden auch vor und nach den Vorfällen mehrfach Beschwerde eingelegt, darunter auch bei dem Provinzgouverneur in Sari. Ein jedes Mal wurde die Kenntnis über die Zerstörungen oder das Motiv bestritten, das zu den Gewaltakten geführt hat, so die Sprecherin.

„Die regelmäßige Hetze in den iranischen Massenmedien durch die Regierung und die Untätigkeit der Beamten vor Ort, die nichts zum Schutz der Bahá’í unternehmen, haben den Hass auf die Bahá’í in der Region und überall im Iran weiter angeheizt“, meinte die Sprecherin. „Die aktuellen Vorfälle zeigen das Ausmaß, in dem die Behörden versagt haben, ihrer Verpflichtung nachzukommen, die Bahá’í und ihre Religionsfreiheit zu schützen“, sagte sie.

Auch wenn Berichte über diese jüngsten Vorfälle schon seit Freitag auf verschiedenen persischsprachigen Internetseiten erschienen, war es der Internationalen Bahá’í-Gemeinde erst am Wochenende möglich, die Details der Vorfälle zu bestätigen. Den letzten Berichten zufolge sind neunzig Prozent der Bahá’í-Häuser in Ivel zerstört.

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