News

„‚Kombattanten‘ ohne Kombattantenstatus“

Kamalabadi wird nach knapp zehn Jahren ungerechter Haft Ende Oktober freigelassen. Hier wird sie von Familienangehörigen vor dem Evin-Gefängnis in Empfang genommen.

Daniel L. Schikora rezensiert auf freiewelt.net Ernst Noltes im Jahr 2009 im Landt Verlag, Berlin, erschienenes Werk „Die dritte radikale Widerstandsbewegung: der Islamismus“. Das Buch dokumentiere, wie Israel von Nolte – „auf seine Weise“ – als „nationalstaatliche Konkretion der kulturellen Moderne in einer dieser vermeintlich unzugänglichen Region gehandelt und als solche zur Disposition gestellt“ werde.

Bemerkenswerterweise wird die „Verteidigungsaggressivität“ des Regimes der Ajatollahs im Iran, der Nolte als die zur Staatlichkeit geronnene islamistische Bewegung gilt, nicht in systematischer Weise in ihren Auswirkungen auf die iranische Gesellschaft untersucht. Bezogen auf die Konsolidierungsphase der Gewaltherrschaft des Khomeinismus, stellt Nolte die Massenmorde an der oppositionellen Linken, etwa der Volksfedayin, als Reaktion auf marxistische Gewalttätigkeiten dar. Dem Schicksal der Bahai – einer im Iran immerhin Hunderttausende umfassenden Religionsgemeinschaft – in der islamischen „Republik“ ist ein einziger Satz gewidmet: „Die kleine Minderheit der Bahai wurde rücksichtslos verfolgt.“ Dabei hätte die Thematisierung „des Islamismus“ im allgemeinen und der iranischen (khomeinistischen) Revolution im besonderen gerade im Kontext des Nolteschen „Weltbürgerkriegs“-Konzepts geradezu nach einem historischen Vergleich der Methoden der Unterdrückung und Auslöschung geschrieen, die der Hitlersche „Radikalfaschismus“ auf der einen und der iranische Islamismus auf der anderen Seite nach innen gegenüber jenen praktizier(t)en, die sie – gleichsam als „Kombattanten“ ohne Kombattantenstatus – als „Agenten“ auswärtiger Mächte stigmatisierten und sämtlicher ihrer bürgerlichen Rechte beraubten. Wenn Nolte Israel als „Einsprengsel von Modernität“ in der ‚islamischen Welt’ problematisiert, so können auch die – infolge der islamischen Revolution (bis heute!) für vogelfrei erklärten – Bahai des Iran, da Befürworter einer säkularen, auf die Institutionalisierung von Menschenrechten gegründeten politischen Ordnung, als „Einsprengsel von Modernität“ inmitten einer islamistischen Diktatur betrachtet werden.