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Vom Brandenburger Tor in den Iran: Worte der Solidarität und des Mitgefühls

Mahvash Sabet wird am 18. September 2017 nach neuneinhalb Jahren ungerechter Haft aus dem Gefängnis entlassen.

In Berlin versammelten sich am Sonntag 400 Menschenrechtsaktivisten und Angehörige der Bahá’í-Religionsgemeinschaft, um an die Verurteilung der sieben iranischen Bahá’í-Führer zu erinnern. Die zwei Frauen und fünf Männer wurden Anfang August in Teheran nach über zweijähriger Untersuchungshaft zu je zwanzig Jahren Haft verurteilt. Dies löste weltweit Proteste aus, da die Bahá’í nach Aussage ihrer Anwältin, der Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi, unschuldig sind und allein aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur Bahá’í-Religion verurteilt wurden.

Vor dem Brandenburger Tor sagte der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, es sei nicht zu tolerieren, wie im Iran die Menschenrechte immer wieder mit Füßen getreten werden. „Wir werden so lange unsere Arbeit machen, bis auch für die Menschen im Iran die Menschenrechte gelten“, betonte er.

Für die Parteivorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Claudia Roth, ist die Festnahme und Verurteilung der sieben Bahá’í, die die nationale Koordinierungsgruppe der iranischen Bahá’í-Gemeinde bildeten, „nichts anderes als eine reine Willkürtat“. Das Recht auf Glaubens- und Religionsfreiheit ist keine „Gnade der Macht oder staatliche Milde“, sagte Roth, sondern „ein Grundpfeiler der Menschenrechtskonventionen der Gegenwart“.

Der in Berlin lebende iranische Exil-Politiker Mehran Barati dankte den Inhaftierten, „weil sie ihre Meinung und ihren Glauben nicht geleugnet haben“. Auch haben sie sich für die Belange aller Iraner, ob gläubig oder nichtgläubig, eingesetzt und dafür die Gefahr der Verfolgung auf sich genommen. Sie seien verurteilt worden, weil sie ihr Menschenrecht auf Religionsfreiheit wahrnehmen wollten. „Insofern sitzen sie in den Kerkern des Irans auch für die Verteidigung der Bürger- und Menschenrechte von uns allen Iranerinnen und Iranern“, sagte Barati.

Kamal Sido von der Gesellschaft für bedrohte Völker erinnerte an Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Und Frauke Seidensticker vom Deutschen Instituts für Menschenrechte betonte die daraus resultierende Pflicht für die iranische Regierung, die Religionsfreiheit den Bahá’í zu gewähren.

Die Kundgebung wurde vom weltweiten Menschenrechtsnetzwerk United4Iran organisiert. Mit ein Meter großen Buchstaben wurden „Worte der Solidarität und des Mitgefühls“ in die Kameras gehalten, um sie mit digitalen Medien in den Iran zu verbreiten.

Die Bahá’í sind im Iran mit über 300.000 Anhängern die größte religiöse Minderheit, gelten jedoch als Mitglieder einer nachislamischen Offenbarungsreligion im Iran als rechtlos und geächtet. Bei den Inhaftierten, die im März und Mai 2008 festgenommen wurden, handelt es sich um Fariba Kamalabadi, Mahvash Sabet, Jamaloddin Khanjani, Afif Naeimi, Saeid Rezaie, Behrouz Tavakkoli und Vahid Tizfahm. Die sieben Männer und Frauen waren – stets mit Kenntnis der iranischen Regierung – seit Jahren mit der Aufgabe befasst, eine Art „Notverwaltung“ der über 300.000 iranischen Bahá’í zu ermöglichen, nachdem die Wahl eines Nationalen Geistigen Rates den iranischen Bahá’í ab dem Jahr 1983 verboten worden war.