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Brandstifter drohen mit Vergeltung, sollten Bahá’í mit Muslimen Freundschaft schließen

Mahvash Sabet wird am 18. September 2017 nach neuneinhalb Jahren ungerechter Haft aus dem Gefängnis entlassen.

In der iranischen Stadt Rafsanjan sind seit Oktober 2010 bei einer Serie von bislang elf Brandanschlägen Geschäfte und Häuser von Bahá’í zerstört worden. Drohbriefe an die „Mitglieder der missgeleiteten Bahá’í-Sekte“ lassen darauf schließen, dass es sich um eine Kampagne gegen die Bahá’í handelt. Offensichtlich sollen die Bahá’í in Rafsanjan von ihren muslimischen Freunden, Kollegen und Nachbarn isoliert werden.

„Seit mehr als zwei Monaten werden die Geschäfte unschuldiger Bahá’í mit Brandbomben beworfen“, berichtete Diane Alai, Sprecherin der Internationalen Bahá’í-Gemeinde bei den Vereinten Nationen in Genf, gegenüber den Bahá’í World News Service. „Einige von ihnen wurden sogar mehrmals Opfer von Anschlägen.“

In der iranischen Stadt Rafsanjan sind seit Oktober 2010 bei einer Serie von bislang elf Brandanschlägen Geschäfte und Häuser von Bahá’í zerstört worden. Dieses Geschäft wurde am 5. Dezember in Brand gesetzt.

Beispielsweise wurde am 15. November letzten Jahres in gleich zwei Geschäften für Haushaltswaren der Stadt Feuer gelegt, die einen Schaden in Höhe von mehreren Zehntausend Euro verursachten. Der Inhaber mietete daraufhin einen benachbarten Laden, um seine Geschäfte von dort aus weiterführen zu können. Einen Monat später gelang es Brandstiftern erneut, trotz der mittlerweile angebrachten Sicherheitsvorkehrungen einen Brandsatz zu legen, indem sie zuvor in das Dach ein Loch schlugen. Die Explosion schleuderte die Tür fünf Meter weit durch die Luft und ließ die Fenster bersten.

Der bislang jüngste Vorfall der Serie ereignete sich am 2. Januar, als eine Reparaturwerkstatt in Flammen aufging. Ein Kanister mit entzündlicher Flüssigkeit durchschlug die Metallplatten, die der Inhaber als Schutzmaßnahme angebracht hatte. Die Anschläge erfolgten vornehmlich auf Reparaturwerkstätten von Möbeln, Haushaltswarengeschäften und Augenoptiker.

„Der wirtschaftliche Druck, der auf der iranischen Bahá’í-Gemeinde lastet, ist ohnehin schon enorm“, sagte Diane Alai, weil den Bahá’í Anstellungen und Geschäftslizenzen vorenthalten werden. Mittlerweile sei aber nicht nur das Auskommen bedroht, sondern auch Leib und Leben, so die Sprecherin, sollten die Bahá’í sich nicht von Freunden und Nachbarn distanzieren.

Gleich zwanzig Bahá’í-Haushalte erhielten anonyme Drohschreiben, mit denen sie aufgefordert wurden, von Kontakten oder Freundschaften mit Muslimen Abstand zu nehmen sowie in ihren Geschäften keine muslimischen Lehrlinge einzustellen. Den Bahá’í wurde es außerdem verboten, ihren Glauben zu lehren, auch nicht im Internet. Sollten sie den Forderungen Folge leisten, so der Wortlaut des Briefes, „garantieren wir, keine Anschläge auf Ihr Leben und Eigentum zu verüben“.

„Wer sind diese Straftäter und was erhoffen sie sich durch solche Anschläge und Drohungen?“, fragte Alai. “Es zeigt doch nur der ganzen Welt den religiös motivierten Hass, der von gewissen Gruppierungen der iranischen Gesellschaft geschürt wird“.

Hinweise auf die Urheber gibt ein Newsletter, der von einer muslimischen Kulturstiftung in Rafsanjan veröffentlicht wird. Darin hieß es, die Angriffe seien erfolgt, weil die Bahá’í in der Stadt in einigen Gewerbezweigen ein Monopol innehätten. Doch auch eine Kaffeestube, die einem Muslim gehört, wurde in Brand gesetzt, nachdem es in dem Newsletter fälschlicherweise geheißen hatte, der Inhaber sei Bahá’í.

Diane Alai berichtete, dass die Bahá’í die Behörden vor Ort um Aufklärung gebeten hatten. „Es ist jedoch nichts geschehen“, teilte sie mit. „Sie wurden in unfassbarer Weise sogar selbst beschuldigt, die Feuer unter Anleitung ausländischer Regierungen gelegt zu haben.“ Die Übergriffe und Bedrohungen seien eine weitere und besonders bösartige Form der Verfolgung normaler Bürger, „die nur versuchen, ihren Lebensunterhalt zu verdienen und ihren Glauben auszuüben“, sagte Alai.

Am 21. Dezember verabschiedeten die Vereinten Nationen eine Resolution, in der die „tiefe Sorge über die andauernden und schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen im Iran“ thematisiert wird. Die Resolution der Vollversammlung der Vereinten Nationen verurteilt insbesondere auch die Diskriminierung von Minderheiten, darunter von Angehörigen der Bahá’í-Religion im Iran.