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Inhaftiertes Bahá’í-Führungsmitglied darf nicht zur Beerdigung seiner Frau

Der Aachener Bundestagstagsabgeordnete Rudolf Henke (CDU) zeigt seine Unterstützung für den im Iran inhaftierten Behrouz Tavakkoli.

Die Internationale Bahá’í-Gemeinde bezeichnet es als “unbeschreiblich herzlos“, dass einer der sieben inhaftierten iranischen Bahá’í nicht an der Beerdigung seiner Ehefrau teilnehmen durfte. Die 81-jährige Ashraf Khanjani, seit mehr als 50 Jahre mit Jamaloddin Khanjani verheiratet, verstarb am 10. März 2011 nach mehrmonatiger Krankheit in Teheran.

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Ihr Mann, Jamaloddin Khanjani (77), verbüßt derzeit zusammen mit sechs weiteren Bahá’í eine zehnjährige Haftstrafe im berüchtigten Gohardasht-Gefängnis in Karaj, nahe Teheran. Die sieben Bahá’í waren Mitglieder einer informellen Gruppe, die sich unter steter Kenntnisnahme der iranischen Regierung seit Jahrzehnten um die Belange der über 300.000 Anhänger umfassenden iranischen Bahá’í-Gemeinde kümmerte.

„Dies ist ein furchtbarer Schicksalsschlag”, meinte Diane Alai, Sprecherin der Internationalen Bahá’í-Gemeinde bei den Vereinten Nationen in Genf. “Dass ein unschuldig inhaftierter Mann davon abgehalten wird, am Begräbnis seiner Frau teilzunehmen, zeigt das Ausmaß an Unmenschlichkeit, zu dem die iranische Regierung fähig ist“, sagte sie. “Islamisches Mitgefühl und Gerechtigkeit sind überhaupt nicht vorhanden.“

Berichten zufolge kamen am Morgen des 11. März in Teheran zwischen 8.000 und 10.000 Trauergäste zur Beerdigung von Ashraf Khanjani. Geheimdienstmitarbeiter sollten dem Vernehmen nach ebenfalls anwesend gewesen sein, um Filmaufnahmen zu machen.

Ashraf Khanjani hatte ihr Leben der Erziehung ihrer eigenen vier Kindern gewidmet, aber auch anderen Kindern, deren Eltern dazu nicht in der Lage waren. “Es gab Zeiten, in denen sie sich um bis zu 40 oder 50 Kinder zugleich kümmerte, ungeachtet ihrer Religionszugehörigkeit”, sagte Alai. „Sie war ein freundlicher und großzügiger Mensch, ein Leuchtturm der Hoffnung. Sie setzte sich für den Zusammenhalt dieser Familien ein, obwohl sie selbst unter schwerer Verfolgung durch die Behörden litt.“

Vor der islamischen Revolution 1979 war ihr Ehemann Jamaloddin Khanjani ein erfolgreicher Unternehmer. Seine Backsteinfabrik hatte die erste vollautomatisierte Fertigung in ganz Iran. Mehrere hundert Menschen waren in dem Betrieb beschäftigt. Dies hielt die Behörden jedoch nicht davon ab, ihn zu zwingen, das Unternehmen aufzugeben, um es später zu konfiszieren.

Anfang der achtziger Jahre diente Khanjani als Mitglied des Nationalen Geistigen Rates der Bahá’í im Iran. Neun Mitglieder dieser Gruppe wurden 1984 hingerichtet.

Später gelang es Khanjani, Landwirtschaft zu betreiben. Die Behörden legten ihm jedoch auch hier Steine in den Weg. Ihm und seinen Kindern und Verwandten wurden keine Kredite gewährt, ihre Geschäftstätigkeit wurde eingeschränkt, Betriebsanlagen geschlossen. Khanjani durfte außerdem keine Auslandsreisen mehr tätigen.

Bevor er im Mai 2008 zusammen mit den sechs weiteren Bahá’í-Führungsmitgliedern inhaftiert wurden, war Khanjani bereits mindestens dreimal in Haft. “Die letzten drei Jahre seiner derzeitigen Haft waren für seine Frau und Familie besonders schwer“, sagte Alai.  “Seit Khanjani letzten August ins Gohardasht-Gefängnis verlegt wurde, sind die hundert Kilometer An- und Rückreise alle zwei Wochen eine zusätzliche Belastung für die Verwandten.”

Und als ob sie nicht schon genug zu ertragen hätte, stand insbesondere die Familie Khanjani im Visier der iranischen Regierung. Mehrere Familienmitglieder erlitten Festnahmen und Inhaftierung.