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Offener Brief an den Iran fordert Ende der Unterdrückung von Studenten

In einem offenen Brief an den iranischen Bildungsminister fordert die Internationale Bahá’í-Gemeinde, die “unfaire und diskriminierende Praxis“ zu beenden, die Bahá’í und andere junge Menschen aus Universitäten fernhält. “Der Brief unterstreicht die Pflicht eines jeden Menschen, sich Wissen anzueignen, um seine Talente und Fertigkeiten zur Besserung der Gesellschaft einbringen zu können“, zitiert der Bahá’í World News Service Bani Dugal, Sprecherin der Internationalen Bahá’í-Gemeinde bei den Vereinten Nationen. “Jugendlichen Bildungschancen gezielt vorzuenthalten, ist verwerflich und gegen alle religiösen, moralischen und humanitären Grundsätze. Keine Regierung sollte ihren Bürgern dieses grundlegende und unverletzliche Recht vorenthalten.”

Der fünfseitige Brief an den iranischen Minister für Wissenschaft, Forschung und Technik, Kamran Daneshjoo, benennt im Detail die Geschichte der bereits 30 Jahre andauernden, systematischen Kampagne im Iran, jungen Bahá’í Hochschulbildung vorzuenthalten und die informelle Gemeindeinitiative der Bahá’í, das Bahá’í Institute for Higher Education (BIHE) zu verbieten. Im Rahmen des BIHE unterrichten aus den regulären Universitäten entlassene Dozenten ehrenamtlich Bahá’í-Jugendliche. Iranischen Presseberichten zufolge wurde BIHE vor kurzem für illegal erklärt.

“Wie kann eine Regierung eine Gruppe junger Bürger von der Hochschulbildung ausschließen, um dann, wenn sich Familien gegenseitig unterstützen und in ihren Privaträumen Fächer wie Physik und Biologie anbieten, diese Aktivitäten für illegal erklären, indem sie Gesetze heranziehen, die doch eigentlich geschaffen wurden, um Bildungseinrichtungen zu lenken, die der Allgemeinheit dienen?“, fragt der Offene Brief.

”Warum geht die Regierung derart schonungslos gegen die Ernsthaftigkeit der Bahá’í-Jugend vor, Hochschulbildung zu erlangen? Lehren die Professoren in Ihren Universitäten ihre Studenten nicht, eine solche Hingabe an das Lernen zu kultivieren?“, fragt die BIC in ihren Offenen Brief. Diese 16 Bahá'í wurden Ende Mai festgenommen, den Angaben zufolge sind noch elf von ihnen in iranischer Haft.

Der Brief listet verschiedene Strategien auf, die die iranische Regierung seit Jahren anwendet, um die offizielle Regierungspolitik umzusetzen, die Bahá’í aus den Hochschulen auszuschließen: Bahá’í nehmen an den Aufnahmeprüfungen teil, nur um “festzustellen, dass sie unter dem Vorwand, ihre Unterlagen seien ‘unvollständig’ gewesen, nicht zugelassen wurden. Universitäten weigern sich, viele derjenigen aufzunehmen, die die Prüfung bestanden haben. Eine kleine Anzahl kann sich einschreiben, weil ihre Religionszugehörigkeit bei der Immatrikulation übersehen wurde, nur um später exmatrikuliert zu werden. In ein paar besonders schrecklichen Fällen erfolgte dieser Rauswurf nur wenige Wochen oder Tage vor dem Studienabschluss.“

“Jeder genaue Beobachter stellt fest”, so die Internationale Bahá’í-Gemeinde, “dass der einzige Grund, ein paar Bahá’í-Jugendliche an Universitäten zuzulassen, darin besteht, Regierungsbeamten einen Grund zu geben, es abstreiten zu können, dass sie den Bahá’í den Zugang zu Hochschulbildung verwehren. Diese Behauptung ist schlichtweg heuchlerisch.“

”Jetzt sind die Bahá’í neuer Drangsal ausgesetzt”, heißt es in dem Brief weiter, “denn sie werden in Verhören über ihr Engagement für die Bildung der Jugendlichen rücksichtslos behandelt. Eltern, die Gastgeber von Klassen sind, werden informiert, dass ihr Haus beschlagnahmt wird, sollte dort weiterhin Unterricht stattfinden. Studenten werden gewarnt, am Unterricht teilzunehmen und dass sie niemals eine Hochschulbildung erlangen werden, solange sie ihrem Glauben nicht abschwören und sich als Muslim erklären.“

"Wann hört die Regierung im Iran endlich damit auf, den Bahá’í im Iran Sachen zu sagen, aber auf internationaler Bühne Beschwichtigungen zu verbreiten, die dem widersprechen?", heißt es in dem Offenen Brief an den iranischen Bildungsminister Kamran Daneshjoo.

Wenn iranische Regierungsvertreter auf internationaler Bühne mit diesen Tatsachen konfrontiert werden, behaupten sie jedoch, dass im Iran keinem aufgrund seines Glaubens Bildung vorenthalten wird. ”Es ist bedauerlich, dass Repräsentanten der Islamischen Republik solche falschen Behauptungen verbreiten und damit die Glaubwürdigkeit der Regierung weiter untergraben. Wann hört die Regierung im Iran endlich damit auf, den Bahá’í im Iran Sachen zu sagen, aber auf internationaler Bühne Beschwichtigungen zu verbreiten, die dem widersprechen?“

Obwohl ihnen Hochschulbildung vorenthalten wird und sie keine staatlichen Abschlüsse vorweisen können, haben sich manche Studenten des Bahá’í Institute for Higher Education (BIHE) mit ihren Leistungen derart hervorgetan, dass Universitäten im Ausland sie zu Postgraduiertenstudiengängen zugelassen haben. “Was Professoren und Kommilitonen, die zu solchen Studien ins Ausland gegangen sind, am meisten bewundern, ist ihre feste Absicht, nach dem Studienabschluss trotz der vielen Widrigkeiten, denen sie ausgesetzt sind, in den Iran zurückzukehren und zum Fortschritt ihres Landes beizutragen…“, so der Wortlaut des Briefes. “Warum wird die Absicht, etwas zum Fortschritt des Landes beizutragen, im Iran nicht gewürdigt?“ fragt die Internationale Bahá’í-Gemeinde.

Die neuesten Übergriffe gegen das Bahá’í Institute of Higher Education (BIHE) rief weltweite Empörung hervor. Die Razzien in den Häusern der BIHE-Verwaltung und des Lehrpersonals vor drei Monaten wie auch die Verhaftung einiger Bahá’í wurden von den Parlamenten in Brasilien, Kanada und Chile verurteilt. Hochrangige Minister und Parlamentarier in Deutschland, Österreich, Irland, Neuseeland und den Vereinten Staaten äußerten ihre Missbilligung. Prominente Persönlichkeiten in Indien, wie auch Beschäftigte im Bildungssektor in Australien und England nahmen Stellung. Organisationen wie Einzelne führen Protestkampagnen durch, die sich über soziale Netzwerke und durch Universitäten auf allen Kontinenten verbreiten.

In dem Brief werden auch viele Fälle genannt, in denen Regierungsbeamte, an die sich Bahá’í hilfesuchend wendeten – darunter sogar Angestellte im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Technik – mit den Bahá’í sympathisierten und ihnen mitteilten, dass ihnen durch Order von oben die Hände gebunden seien.

”Wir schließen uns mit diesem Brief all diesen Menschen guten Willens in der ganzen Welt an, die dagegen protestieren”, so Bani Dugal. “Wir sagen zu der iranischen Regierung, dass die Ungerechtigkeit und Unterdrückung jetzt aufhören muss.“