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25.000 Menschen marschieren in Rio de Janeiro für das Recht auf Religionsfreiheit

Kamalabadi wird nach knapp zehn Jahren ungerechter Haft Ende Oktober freigelassen. Hier wird sie von Familienangehörigen vor dem Evin-Gefängnis in Empfang genommen.

Einmal jährlich findet in Rio de Janeiro ein Marsch für Religionsfreiheit statt. Ursprünglich 2008 vom Committee for Combating Religious Intolerance (CCIR) ins Leben gerufen, um auf die Verfolgung traditioneller afro-brasilianischer Religionen aufmerksam zu machen, werden nun auch Verletzungen des Rechts auf Religionsfreiheit in anderen Teilen der Welt thematisiert. So protestierten in diesem Jahr 25.000 Menschen auch gegen die fortwährende Verfolgung der iranischen Bahá’í-Gemeinde, wie der Bahá’í World News Service berichtet.

„Zwischen der Verfolgung der Bahá’í im Iran und den afro-brasilianischen Religionen hier gibt es einige Ähnlichkeiten“, sagte der brasilianische Bahá’í Iradj Roberto Eghrari anlässlich des Protestzugs. „Besitztümer werden zerstört oder konfisziert, Kinder werden drangsaliert und Jugendliche werden aufgrund ihrer Überzeugung nicht in Bildungseinrichtungen aufgenommen. Der einzige Weg, den diese Menschen haben, um der Unterdrückung zu entkommen, ist, ihrem Glauben abzuschwören – aber wie kann man einer Person ihren religiösen Glauben nehmen, ohne sie dabei völlig auseinander zu reißen?“

”Vorurteile, Stereotypen und fehlende Informationen über die verschiedenen religiösen Traditionen führen dazu, dass Menschen sich gegenüber denen, die einen anderen Glauben haben, irrational verhalten“, hob er hervor. „Es ist, als ob sie diese ‘anderen Menschen’ nicht als Mitmenschen ansehen, die Respekt und gerechte Behandlung verdienen.“ Eghrari erwähnte insbesondere die sieben iranischen Bahá’í-Führungsmitglieder, die seit 2008 inhaftiert sind und aufgrund gefälschter Anklagen zu jeweils 20 Jahren Haft verurteilt wurden.

Der Marsch für Religionsfreiheit findet seit 2008 einmal jährlich statt und wuchs von 2.000 Teilnehmern im ersten Jahr auf die Rekordzahl von 25.000 Teilnehmenden in diesem Jahr. Im Laufe der Jahre schlossen sich den afro-brasilianischen Religionsoberhäuptern Katholiken, Muslime, Juden, Protestanten, Buddhisten und Bahá’í an. Die Bahá’í verteilten tausend gelbe Westen mit der Aufschrift “Heute sind wir Anhänger aller Religionen“, eine Empfindung, die von den Marschierenden der verschiedenen Gemeinschaft geteilt wurde.

In seiner Eröffnungsrede hob der Koordinator des Committee for Combating Religious Intolerance (CCIR), Babalorixa Ivanir dos Santos, die Verfolgung der iranischen Bahá’í hervor und wies auf die “Gruppe in gelb” hin, die – so seine Worte – „aktive Unterstützer der Religionsfreiheit in Brasilien sind.“ Er betonte, dass religiöse Intoleranz Rassismus hervorrufe und die Demokratie gefährde. „In dieser Welt ist Religion eine Ursache für Kriege, hier und heute bringen wir dagegen die Religionen in einen Dialog. Unsere Bewegung ist nicht religiös und fördert keinen bestimmten Glauben, sondern das Recht, respektiert zu werden.“