News & Publikationen

Bericht enthüllt iranische Medienkampagne gegen Bahá’í

Mahvash Sabet wird am 18. September 2017 nach neuneinhalb Jahren ungerechter Haft aus dem Gefängnis entlassen.

Der Bericht "Inciting Hatred: Iran's Media Campaign to Demonize Baha'is" dokumentiert und analysiert 400 Medienbeiträge aus dem Iran zwischen Ende 2009 und Frühjahr 2011.

In einer umfangreichen Medienkampagne, die außerhalb des Iran praktisch unbemerkt bleibt, wird systematisch Hass und Diskriminierung gegen die über 300.000 Anhänger zählende Bahá’í-Gemeinde Irans geschürt. Unter großem Aufwand werden sie in der Öffentlichkeit dämonisiert und verleumdet.

In einem heute veröffentlichten Bericht benennt und analysiert die Internationale Bahá’í-Gemeinde mehr als 400 Pressebeiträge gegen die Bahá’í in den iranischen Medien. Sie geben einen Einblick in die perfide, staatlich geförderte Hetzkampagne, mit der die Bahá’í durch falsche Anklagen, aufhetzerische Wortwahl und geschmacklose Bildsprache dämonisiert und verleumdet werden. Der Bericht gibt Medienbeiträge aus einem Zeitraum von 16 Monaten wieder.

“Diese gegen die Bahá’í gerichtete Propaganda ist schockierend – in Bezug auf ihren Umfang und Heftigkeit, ihrer Reichweite und Durchtriebenheit”, meint Bani Dugal, Sprecherin der Internationalen Bahá’í-Gemeinde am Sitz der Vereinten Nationen in New York. “Auf zynische Weise ist alles kalkuliert, um den Antagonismus gegen eine friedfertige religiöse Gemeinde anzuheißen, deren Mitglieder sich dafür einsetzen, etwas zum Wohlergehen der Gesellschaft beizutragen“, sagte sie.

Wir geben hier die wesentlichen Ergebnisse des Berichts mit dem Titel “Inciting Hatred: Iran’s media campaign to demonize Baha’is“ wieder:

– Die Propaganda gegen die Bahá’í stammt und ist abgesegnet von den höchsten Führungsschichten der Islamischen Republik, einschließlich des Obersten religiösen Führers, Ayatollah Ali Khamenei, der vor einem Jahr eine äußerst diskriminierende Rede in der heiligen Stadt Qom hielt,

– die Kampagne verunglimpft internationale Menschenrechte und Normen, darunter die richtungsweisende Resolution des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen von diesem Jahr, welche negatives Stereotypieren und das Schüren von Hass gegen religiöse Minderheiten dezidiert verurteilt und bekämpft;

– Bahá’í werden in ihrem eigenen Land als “Andere” bzw. Außenseiter und Feinde des Islam gebrandmarkt, und zwar auf eine Art und Weise, die klar und deutlich darauf abzielt, die religiösen Empfindlichkeiten iranischer schiitischer Muslime zu verletzen,

– die Kampagne soll die Aufmerksamkeit von dem Ruf nach Demokratie im Iran ablenken, indem die Bahá’í als „Sündenböcke“ für alles herhalten müssen und gleichzeitig Regierungsgegner und Menschenrechtsaktivisten als Bahá’í verleumdet werden, „als ob dies das abscheulichste Verbrechen wäre“,

– die Behörden streuen groteske Verschwörungstheorien, etwa dass ausländische Medien, vor allem die British Broadcasting Corporation (BBC) und Voice of America (VOA) von Bahá’í kontrolliert oder beeinflusst werden, weil sie Beiträge über Menschenrechtsverletzungen im Iran senden.

“Die vielschichtigen Inhalte dieser Angriffe zeigen ungeheure Mühe und den Einsatz von Ressourcen durch die Islamische Republik“, heißt es in dem Bericht. “Viele Angriffe bauen auf einer groben Verzerrung der iranischen Bahá’í-Geschichte auf, andere verfolgen eine Strategie der Schuldzuweisung, indem die Bahá’í mit anderen vollkommen fremden Gruppen wie den Satanisten oder der Geheimpolizei des Schahs in einen Topf geworfen werden, wieder andere verfolgen die Taktik, die Bahá’í mit den Gegnern des Regimes in Verbindung zu bringen, so dass die Regierung sowohl die Bahá’í als auch die Gegner gemeinsam angehen kann. Die Kampagne nutzt intensiv das Internet und setzt oft Bildmaterialien ein, die die Bahá’í als leichenfressenden Dämonen oder Agenten Israels darstellen.

Bei der Veröffentlichung des Berichtes wies Bani Dugal, Sprecherin der Internationalen Bahá’í-Gemeinde am Sitz der Vereinten Nationen in New York, darauf hin, dass Bahá’í im Iran durch solche Kampagnen besonders verwundbar seien, weil sie innerhalb der iranischen Gesellschaft nicht das Recht haben, öffentlich darauf zu antworten. Auf dem Foto: Bani Dugal und Diane Ala'i (von links)

Bani Dugal ist davon überzeugt, dass die Verteufelung der iranischen Bahá’í-Gemeinde eine Angelegenheit sei, die die weltweite Aufmerksamkeit der Regierungen, internationaler Rechtsinstitutionen und allen wohlmeinenden Menschen verdiene. “Die Kampagne verletzt nicht nur internationale Menschenrechte“, sagte sie. “Sie widerspricht auch dem langjährigen Anspruch des Iran bei den Vereinten Nationen und andernorts, dass er sich dafür einsetzt, Hassparolen gegen Religionen oder religiöse Anhänger zu verbieten oder zu verurteilen.“

”Die Parallelen zwischen der Anti-Bahá’í-Propaganda im heutigen Iran und anderen, staatlich geförderten anti-religiösen Kampagnen ist nicht zu leugnen. Die Geschichte zeigt uns, dass solche Kampagnen zu den deutlichsten Anzeichen tatsächlicher Gewalt gegen religiöse Minderheiten gehören oder im schlimmsten Fall Vorboten eines Genozids sind. “Es ist an der Zeit, dem Iran zu sagen, dass solche unerhörten Verletzungen internationalen Rechts und Normen nicht toleriert werden können.”

Der 35-seitige englischsprachige Bericht kann hier abgerufen werden.