Stellungnahmen

Internationale Bahá’í-Gemeinde fordert Freilassung von Pastor Youcef Nadarkhani

Pfarrer Youssef Nadarkhani, links, mit seiner Ehefrau, Fatemah, und ihren zwei Söhnen. Foto: Christian Solidarity Worldwide

Die Internationale Bahá’í-Gemeinde hat sich der Forderung angeschlossen, Pastor Youcef Nadarkhani freizulassen. Der Vater zweier Kinder leitet ein Netzwerk von christlichen Hausgemeinden und wurde der Apostasie für schuldig befunden. Er habe „dem Islam den Rücken gekehrt“ und „Muslime zum Christentum bekehrt“, so die Begründung. Im September 2010 wurde er zum Tod verurteilt. Irans Oberster Gerichtshof hatte erst vor kurzem eine Überprüfung des Falles angeordnet. Es sollte überprüft werden, ob er als Erwachsener ein praktizierender Muslim war, ehe er zum Christentum übertrat. Nach Auffassung des Gerichts war er das zwar nicht, gleichwohl sei er der Apostasie schuldig, da er muslimischer Herkunft sei.

In Folge des internationalen Aufschreis berichteten iranische staatliche Medien am 1. Oktober, Pastor Nadarkhani sei tatsächlich aus anderen Gründen verurteilt worden, darunter wegen Gewaltverbrechen, Erpressung, Zionismus und Verrat. Diese Vorwürfe wurden jedoch während der gesamten Zeit der Anklage, des Prozesses und der Verurteilung kein einziges Mal erwähnt, auch nicht bei der letzten gerichtlichen Anhörung. Wir veröffentlichen im Folgenden die deutsche Übersetzung der Stellungnahme der Internationalen Bahá’í-Gemeinde. Das englische Original liest sich hier.

Wir schließen uns denjenigen an, die gegen die Verurteilung von Pastor Youssef Nadarkhani protestieren und fordern seine Freilassung.

Dass ein Gericht jemanden mit muslimischer Herkunft verurteilt, der sich aus freien Stücken entschieden hat, Christ zu werden, ist ein weiteres Beispiel für die Brutalität, mit der die iranischen Behörden gegen ihr eigenes Volk vorgehen.

Die kürzlich veröffentlichte Erklärung, die besagte, dass – angesichts des internationalen Aufschreis gegen seine Verurteilung – die Anklagepunkte gegen Pastor Nadarkhani geändert wurden, zeigt nur wieder einmal die Willkür des iranischen Rechtssystems und die offenkundige Ungerechtigkeit der Lage.

Das Urteil, das ihn erwartet, ist nicht nur verwerflich; es stellt eine Verletzung jedes rechtlichen, moralischen, geistigen und humanitären Standards dar.

Welche weltliche Regierung kann sich vernünftigerweise anmaßen, dass es die Macht hat, das Recht auf Glaubensfreiheit einzuschränken? Glaube ist nicht etwas, das weggenommen oder verhandelt werden kann; es ist eine Frage der Überzeugung, des Herzens, des Verstandes und der Seele, außerhalb des Einflussbereichs von staatlicher Kontrolle.

Die Bahá’í-Gemeinde kann die schwierigen Bedingungen sehr gut nachvollziehen, denen Minderheiten im heutigen Iran ausgesetzt sind. Jetzt ist es offenkundig, dass auch diejenigen Minderheiten, die nominell vom Staat anerkannt sind, der Mehrheit genauso untergeordnet sind wie diejenigen, die keine Rechte haben.

Es besteht kein Bedarf, hier die endlose Liste von Hinrichtungen, Folter, Inhaftierungen, Enteignung und weiterer Bedrängnis in Erinnerung zu rufen, dem das leidgeprüfte iranische Volk ausgesetzt ist.

Alle Verlautbarungen der Repräsentanten des Landes auf internationaler Ebene stehen im Widerspruch zu dem, wie sie ihr eigenes Volk zu Hause behandeln. Dennoch reisen seine Funktionäre ungehindert in andere Länder, wo sie eine Plattform erhalten, um ihre Lügen zu verbreiten und die unbarmherzige Behandlung ihrer eigenen Bürger zu leugnen, während sie der Welt gegenüber ihren angeblich guten Willen demonstrieren.

Es gibt noch viel zu tun, um die Menschen weltweit auf die Scheinheiligkeit einer Regierung aufmerksam zu machen, die ihre Bevölkerung umfassend und fortwährend unterdrückt.

Es gibt noch viel zu tun, um die Menschheit für das zu sensibilisieren, was innerhalb des Iran vor sich geht und um zu erkennen, was passieren kann, wenn wir versäumen, uns gegen staatlich gestützte Hasskampagnen zu wehren.