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Bahman-Bagdad in Mönchengladbach

Kamalabadi wird nach knapp zehn Jahren ungerechter Haft Ende Oktober freigelassen. Hier wird sie von Familienangehörigen vor dem Evin-Gefängnis in Empfang genommen.

Die iranische Regisseurin und Schauspielerin Shabnam Tolouei steht der Rheinischen Post aus Düsseldorf über ihr Schauspiel „Bahman-Bagdad“ Rede und Antwort. Dessen Aufführung war in ihrem Heimatland verboten, so dass „Bahman-Bagdad“ vor einem Jahr am Krefelder Theater seiner Uraufführung fand. Derzeit wird es im Studio Mönchengladbach geprobt, am 10. November hat es dort Premiere.

„Bahman-Bagdad“ wirkt nicht wie ein flammender Protest gegen das Regime, das Frauen in ihren Grundrechten aufs Schwerste benachteiligt. Sie geben Einblicke in das zeitgenössische Leben in der iranischen Hauptstadt und leisten mit dem Stück eine feinsinnige Auseinandersetzung über die gesellschaftliche Realität in Ihrem Land. Eigentlich kein Anlass für einen Bann, oder?

Tolouei Dazu gab es mir gegenüber keine Erklärungen seitens der Behörden. Ich habe in „Bahman-Bagdad“ versucht, so nah wie möglich an die gegenwärtige Lebenswirklichkeit in der Großstadt Teheran heranzukommen. Also treffen Sie dort eben nicht auf eine Dorfsituation, wie sie zum Beispiel aus Afghanistan übers TV bekannt ist, sondern begegnen in Teheran einer modernen urbanen Welt. Wir sollten gar nicht nach den eigentlichen Gründen für das Verbot suchen. Ich kenne keine Künstlerin, keinen Künstler im Iran, die bzw. der nicht schon einmal in der Arbeit mit Zensur zu tun hatte.

Sie gehören der religiösen Minderheit der Baha’i im Iran an. Sie ist aus dem Islam hervorgegangen, lehrt ein kosmopolitisches Welt- und Menschenbild und vor allem auch die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Wie ist die Lage der Baha’i im Iran?

Tolouei Sie sind in keiner Weise frei, sie werden verfolgt, Ahmadinedschads Regierung bringt die Baha’i in große Schwierigkeiten und Bedrängnis. Menschen dringen in die Häuser von Baha’i ein, ohne dass die Polizei einschreitet, und zerstören die Einrichtung. Baha’i dürfen nicht an Universitäten studieren, sie sind gezwungen, Untergrund-Universitäten zu gründen – die seit kurzem auch verboten sind. Baha’i dürfen auch keine Krankenversicherung oder andere Versicherungen abschließen. Es gibt sogar Fälle, in denen konservative Lehrer Kinder schlagen, weil diese Baha’i sind. …