Stellungnahmen

Romeo Dallaire warnt vor Genozid an Bahá’í im Iran

Mahvash Sabet wird am 18. September 2017 nach neuneinhalb Jahren ungerechter Haft aus dem Gefängnis entlassen.

Senator Romeo Dallaire

Romeo Dallaire, kanadischer Politiker und 1990 als Kommandeur der UN-Friedenstruppen während des Genozids in Ruanda im Einsatz, erinnert die gegenwärtigen Aktionen des Iran gegen die Bahá’í an das, was er in Afrika erlebt hat. Dies berichtet der Bahá’í World News Service. „Die Ähnlichkeiten mit dem, was ich in Ruanda gesehen habe, lassen sich nicht leugnen … und tatsächlich werden sie scheinbar mit derselben Energie durchgeführt“, sagte der Senator während einer Anhörung zur Verfolgung der iranischen Bahá’í im kanadischen Senat am 29. November. Er warnte: „Wir sind Zeugen eines langsamen Versuchs von Genozid.“

„Die alarmierende Zunahme an Verhaftungen von Bahá’í und insbesondere ihrer Führung, die unverhältnismäßigen Urteile und unbegründeten Kautionsforderungen, die hasserfüllte Propaganda, die die Bahá’í als einen Kult darstellt, der Teil einer zionistischen Verschwörung zur Zersetzung des islamischen Staates des Iran sei … dies ist alles unwahr. Es ist ein Instrument, um die gezielten Aktionen der Regierung zur Zerstörung dieser Religion innerhalb ihrer Grenzen zu rechtfertigen.“

Wenn man die Fakten und Trends der Verfolgung der iranischen Bahá’í zusammennimmt, sagte er, läuft es mindestens auf etwas hinaus, das man „ideologischen Genozid“ nennen könne. „Ein essenzielles Element des ideologischen Genozids ist die Absicht, die Bahá’í-Gemeinde als eigenständige religiöse Einheit gänzlich oder zumindest teilweise zu zerstören. Es ist diese Absicht … die unsere dringende und entschiedene Aufmerksamkeit verdient.“ Es bestehe die Gefahr massenhafter Gräueltaten, wenn man der Unterdrückung durch den Iran nicht entgegentrete.

„Irren Sie sich nicht, dies sind nicht nur Anzeichen vergangener und gegenwärtiger Verfolgung; es sind Warnzeichen für Gräueltaten, für Genozid. Lassen Sie uns nicht einen weiteren mitansehen, in völligem Bewusstsein der Konsequenzen“, sagte er.

„Die Gefängnisse in Ruanda waren aus ähnlichen Gründen mit Tutsi gefüllt, mit dem einzigen Unterschied, das deren Verbrechen auf ihre Volkszugehörigkeit gründeten und nicht auf ihre Religion“, sagte der Senator. Eine weitere Parallele findet sich in der Verfolgung von Bahá’í-Dozenten, die versuchen, junge Gemeindemitglieder zu unterrichten, denen die Regierung den Zugang zu Universitäten verweigert.

„Jeder Iraner, der sich als Bahá’í zu erkennen gibt, wird von höherer Bildung und Regierungspositionen ausgeschlossen und es wird ihm die Teilnahme am politischen Prozess verweigert“, sagte er. Ein ähnliches Szenario hatte sich in Ruanda abgespielt, wo der ethnischen Tutsi-Minderheit der Zugang zu höherer Bildung verweigert worden war, so Dallaires.

1994 kommandierte Senator Dallaire die UN-Friedensmission für Ruanda, die schließlich nicht verhindern konnte, dass 800.000 Menschen massenhaft abgeschlachtet wurden. Seitdem wird er für seine humanitäre Arbeit und sein mutiges Eintreten für bedrohte Menschen weltweit respektiert. Er war außerdem Mitglied des Beraterkomitees des UN-Generalsekretärs für Genozidprävention.

Senator Dallaires Aussage war Teil einer kanadischen Senatsanhörung zum Thema der Verfolgung der Bahá’í im Iran, die von Senator Mobina Jaffer angestoßen worden war. Am 21. Juni hatte Senator Jaffer zu „neuen Schritten“ Kanadas aufgerufen, um „Iran zur Verantwortung zu ziehen für seine nicht hinnehmbare Behandlung der Bahá’í“. Im Oktober hatte Senator Hugh Segal im Senat davon gesprochen, dass das Leid, das den Bahá’í zugefügt wird, „systematisch und brutal“ sei, insbesondere, da sie bekannt seien als eine „friedliche Glaubensgemeinschaft, die die Heiligkeit aller Religionen betont“.

Senator Dallaires Rede können Sie hier lesen.