Medienberichterstattung

„Staatsreligionen sind immer ein Problem“

Kamalabadi wird nach knapp zehn Jahren ungerechter Haft Ende Oktober freigelassen. Hier wird sie von Familienangehörigen vor dem Evin-Gefängnis in Empfang genommen.

Der Deutschlandfunk widmet heute dem UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Religions- und Weltanschauungsfreiheit, dem Nürnberger Professor für Menschenrechtspolitik, Dr. Heiner Bielefeldt, ein Portrait. Marc Engelhardt befragte Prof. Bielefeldt, der von Hause aus Theologe und Philosoph ist, über seine Arbeit als Sonderberichterstatter, die er seit Juni 2010 wahrnimmt.

Bielefeldt, 53, im Hauptberuf Professor für Menschenrechte an der Universität Erlangen-Nürnberg, darf vor allem dies: reden, berichten, plädieren, anprangern, verurteilen, fordern. Er sammelt Vorwürfe, Bedenken, Kritik von Einzelpersonen und Interessengruppen und leitet sie weiter. Nichts von alledem hat irgendeine bindende Wirkung. Doch wer redet, dem wird auch zugehört, der kann Veränderungen anstoßen.

Bielefeldt kritisiert das Konzept der Staatsreligionen, „die aus seiner Sicht fast zwangsläufig die Diskriminierung Anders- und Nichtgläubiger zur Folge haben“, schreibt Engelhardt. Staatsreligion sei im internationalen Recht nicht förmlich verboten, „aber sie ist immer ein Problem“. Sie müsse „kritische Nachfragen auslösen, weil der Verdacht nicht von der Hand zu weisen ist, dass es de facto Diskriminierungen gibt“, zitiert er Bielefeldt mit einem Hinweis auf islamisch geprägt Länder.

„Wenn wir uns Ägypten anschauen: Seit den schrecklichen Anschlägen in der Neujahrsnacht 2011 ist ja die öffentliche Aufmerksamkeit etwas gestiegen, aber auch Jahre zuvor hat es immer wieder Anschläge gegeben, aber auch systematische Diskriminierung. Etwa in der öffentlichen Verwaltung, bei hohen Universitätsposten, im Kabinett sind religiöse Minderheiten ganz stark unterrepräsentiert. Das gilt für die Christen und noch einmal mehr für die Bahai oder die Zeugen Jehovas, die gar nicht anerkannt sind, kleine Gruppen, die ganz abseits der Öffentlichkeit leben.“

Zum Iran äußert sich Bielefeldt differenziert:

„Iran ist eine Gesellschaft, bei der ich mir ganz vieles vorstellen kann, langfristig auch sehr viel Hoffnungsvolles. Das ist eine sehr dynamische Gesellschaft, eine Gesellschaft, in der Literatur wertgeschätzt wird und in der auch Religionskritik stattfindet, obwohl das lebensgefährlich ist. Auch innerhalb des schiitischen Klerus würden viele Leute einen ganz anderen Kurs fahren bis hin zu einer Entflechtung von Staat und Religion.“

In voller Länge ist das Interview hier hörbar:

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