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Junge Gläubige in Berlin leben ein friedliches Miteinander der Religionen vor

Mahvash Sabet wird am 18. September 2017 nach neuneinhalb Jahren ungerechter Haft aus dem Gefängnis entlassen.

Im Rahmen der Aktion „Stolpere nich´- Erinner´dich!“ der religionsübergreifenden Initiative JUGA („Jung, gläubig, aktiv“) setzten junge Juden, Christen, Muslime und Bahá’í am 19. April 2012 gemeinsam ein Zeichen gegen Gewalt und Intoleranz. Mit der Säuberung verschiedener Stolpersteine zeigten sie, dass trotz unterschiedlicher Religionszugehörigkeit ein friedliches Miteinander möglich ist. Zum Auftakt der Aktion fand am Berliner Adenauerplatz eine Kundgebung statt, an der CDU-Innenstaatssekretär Andreas Statzkowski, der evangelische Bischof Dr. Markus Dröge, der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, Chalid Durmosch als Vertreter der muslimischen Sehitlik-Moschee sowie Dr. Thomas Floeth vom Nationalen Geistigen Rat der Bahá’í in Deutschland ihre Unterstützung zeigten. Dr. Thomas Floeth zitierte in seinem Grußwort Gunter Demning: Die Gedenksteine ließen einen stolpern, und zwar „mit dem Kopf und mit dem Herzen“.

Stolpersteine halten die Erinnerung an die Gräueltaten der Vergangenheit wach, denen soviele unschuldige Menschen willkürlich zum Opfer fielen – Menschen, die aus Sicht der gerade herrschenden Ideologie einfach nur dem „falschen“ Volk angehörten, der „falschen“ Rasse. Oder Menschen, die irgendwie anders waren, so genannt psychisch krank oder auch geistig behindert. Diese besondere Erinnerung ist wichtig, denn sie schärft das Koordinatensystem, mit dem wir unsere Welt wahrnehmen.

Dr. Thomas Flöth ist Mitglied des Nationalen Geistigen Rates der Bahá'í in Deutschland. Foto: Alina Braml

Hinter dem Kürzel JUGA verberge sich eine „unglaublich wirkungsvolle Mischung, nämlich die Kombination von Jugend, Glauben und Aktion.“

Solche Jugendliche gehen uns allen voran in Richtung auf eine bessere Zukunft, sie schlagen Brücken zwischen Menschen und Überzeugungen und helfen der Menschheit, jenen Weg einzuschlagen, der einzig und allein glaubhaft eine hoffnungsvolle Zukunft versprechen kann: Die ganze Menschheit – unabhängig von Religion, Rasse, Nation oder Geschlecht – als eine Einheit anzusehen und vereint auf gleicher Augenhöhe einen Pfad des Dienstes zu beschreiten, auf dem das gemeinsame Wohl Ziel aller Bestrebungen ist. „Die Erde ist nur eine Heimat und alle Menschen ihre Bürger“, sagt Bahá’u’lláh, der Gesandte Gottes, auf dessen Wirken und Lehren die Bahá’í-Religion beruht. “Betrachtet einander nicht als Fremde. Ihr seid die Früchte eines Baumes, die Blätter eines Zweiges.“

Anlass für die Aktion war der Holocaust Gedenktag, Jom haScho’a. Junge Gläubige brachten unter der Schirmherrschaft des Berliner Senators für Inneres und Sport, Frank Henkel, mit Schwämmen und Metallpolitur zahlreiche Stolpersteine vor den Eingangstüren der Häuser in Berlin-Charlottenburg zum Glänzen. Die hatte der Kölner Künstler Gunter Demnig vor einiger Zeit in Erinnerung der Opfer des Nationalsozialismus in die Gehwege eingelassen. Stolpersteine enthalten die Personen- und Schicksalsdaten der vormals in den Häusern lebenden Menschen. Allein in Deutschland gibt es inzwischen mehr als 32.000 dieser Stolpersteine. Gunter Demning wurde hierfür bereits vielmals ausgezeichnet.