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Slowakische Wissenschaftler fordern Freilassung iranischer Bahá’í-Dozenten

Es sei gewissenlos, wenn eine Regierung einer ganzen Gruppe aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion Bildungschancen vorenthalte, sagte Dr. Gregorij Mesežnikov, Präsident des unabhängigen Institutes for Public Affairs, bei einer Pressekonferenz am 17. September 2012 in Bratislava.

 

Über achtzig führende Wissenschaftler aus der Slowakei fordern von der iranischen Regierung, die Verfolgung der Bahá’í-Akademiker in Iran einzustellen. Unter den Unterzeichnern eines Protestbriefes sind auch die Soziologieprofessorin und Ex-Premierministerin des Landes, Iveta Radičová, sowie der ehemalige Bildungsminister Jan Pišút. Der Appell an die iranische Regierung wurde am Montag der Öffentlichkeit in Bratislava vorgestellt, wie der Bahá’í World News Service berichtet.

In dem Brief vom 17. September 2012 an die iranische Regierung drücken die namhaften Akademiker ihr „Missfallen über die Behandlung von Bahá’í-Studierenden und Lehrern in Iran” aus. „Diese Menschen werden vom Staat für ihre Bemühungen bestraft, sich zu bilden“, heißt es. Sie fordern die iranische Regierung dazu auf, die inhaftierten BIHE-Dozenten und Mitarbeiter freizulassen, die derzeit vier- und fünfjährige Haftstrafen verbüßen. Ebenso verlangen sie die Gewährung des Rechts auf Bildung für die jungen iranischen Bahá’í, wie dies auch slowakische Hochschulen jedem Studenten gewähren, „unabhängig von Tradition, Religion oder Heimatland“.

Der Offene Brief wurde in Zusammenarbeit mit dem Präsidenten des slowakischen Institutes for Public Affairs, Dr. Gregorij Mesežnikov, verfasst. Das Institut ist eine unabhängige Einrichtung, das sich einer offenen Gesellschaft und demokratischen Werten verpflichtet fühlt. Es sei gewissenlos, wenn eine Regierung einer ganzen Gruppe aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion Bildungschancen vorenthalte, sagte Mesežnikov bei der Pressekonferenz am Montag in Bratislava.

Jitka Spillerova, Sprecherin der slowakischen Bahá’í-Gemeinde, begrüßte die Initiative. Die über achtzig Akademikerinnen und Akademiker hätten der iranischen Regierung eine Botschaft übermittelt: Die Ungerechtigkeiten gegenüber den Bahá’í und anderen iranischen Studierenden und Akademikern bleiben nicht unbemerkt  – nicht einmal vor einer Öffentlichkeit, die geografisch so weit entfernt ist, sagte er.

Die Initiative ist eine Reaktion auf die lang andauernde iranische Regierungspolitik, die Bahá’í von Hochschulbildung ausschließt und sogar die informelle Gemeindeinitiative zur Bildung ihrer jungen Menschen, das Bahá’í Institut für Höhere Bildung (BIHE), zu unterbinden sucht.

Im Januar veröffentlichte bereits der Auswärtige Ausschuss des slowakischen Nationalrats eine Stellungnahme, in der die Anstachelung zum Hass gegen Andersgläubige durch die iranische Regierung als „abscheulich“ bezeichnet wurde. Das Parlament forderte den Iran auch dazu auf, „die sich häufenden Maßnahmen zur Zerschlagung der iranischen Bahá’í-Gemeinde“ zu beenden.