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Ein iranisches Tabu

Mahvash Sabet wird am 18. September 2017 nach neuneinhalb Jahren ungerechter Haft aus dem Gefängnis entlassen.

Am 18. Januar 2013 zeigt das Kino am Ufer in Berlin den Dokumentarfilm „Iranian Taboo“ von Reza Allamehzadeh. Der rund 80-minütige Film gibt einen einzigartigen Einblick in die Verfolgung der Bahá’í in Iran. So werden Aufnahmen gezeigt vom Bahá’í Institut for Higher Education (BIHE) sowie von den unterdrückten Bauern im Dorf Ivel in der nördlichen Provinz Mazandaran. Diese Szenen innerhalb des Iran wurden durch lokale Kontakte des Filmemachers verdeckt gedreht. Reza Allamehzadeh führte Interviews mit einigen der renommiertesten iranischen Gelehrten, Schriftstellern und Politikern über ein iranisches Tabuthema: die Bahá’í in Iran. Erstmals liegt der Film mit deutschem Untertitel vor.

Veranstalter sind die Einrichtung der Franziskaner „1219 e.V. – Deutsche Stiftung für interreligiösen und inter­­kulturellen Dialog“ und Nirwana Events, das das Kino am Ufer in Berlin betreibt. Der Name 1219 erinnert an das Jahr 1219. In diesem Jahr kam Franziskus von Assisi mit christlichen Kreuzüglern nach Jerusalem und durchbrach während der Kriegshandlungen zwischen den christlichen und muslimischen Heeren die Politik des gewaltsamen Gegeneinanders und begab sich zu dem ägyptischen Sultan Al-Kamil Muhammad al-Malik, um freimütig vor ihm zu predigen und den Krieg durch Überzeugungskraft zu beenden.Auf der Webseite von 1219 heißt es:

Die Begegnung zwischen Sultan Al-Kamil Muhammad al-Malik und Franziskus hatte auf beide Wirkung. Der Sultan bekehrte sich zwar nicht zum Christentum, war aber beeindruckt von dem wie ein Sufi gekleideten Mann aus Italien. Franziskus kehrte nach dem Gespräch unbeschadet zurück nach Assisi. Sein Bild vom Islam hatte sich grundlegend verändert: Muslime waren für ihn keine „grausamen Tiere“ mehr, wie die Kreuzzugpropaganda im Westen verbreitet. Er schätzte vielmehr ihre vornehmen Sitten und ihre tiefe Ehrfurcht vor Gott. Als Folge schrieb er in die erste Ordensregel, dass sich die Mitglieder seiner Gemeinschaft, die sich in anderen Kulturbereichen bewegten, durch eine einfache und friedfertige Präsenz und eine dienende Haltung gegenüber den Menschen Zeugnis für das Christentum ablegen sollen und „weder zanken noch streiten“ sollen.

Das Gespräch über die Bahá’í in der Islamischen Republik Iran bleibt dementgegen auch beinahe 800 Jahre nach dieser Begebenheit ein Tabu. Eindrucksvoll geht Reza  Allamehzadeh der Frage nach, warum die Menschenrechtsverletzungen an den iranischen Bahá’í in der Vergangenheit sowohl für religiöse als auch für national gesinnte Iranerinnen und Iraner trotz ihrer Schwere oftmals nur geringe bis zu keine Relevanz hatten. Der Film richtet sich damit vor allem an Iranerinnen und Iraner, die mit den Mythen des iranischen Regimes gegen diese größte nicht-muslimische Minderheit des Landes aufgewachsen sind. Indes ermöglicht ein einführender Impuls und ein anschließendes Gespräch mit dem Menschenrechtsreferenten der Bahá’í-Gemeinde Deutschland, Peter Amsler, auch einen thematischen Einstieg in ein komplexes Thema.

 Freitag, 18. Januar 2013, 20:00 Uhr

Kino am Ufer
Uferstraße 12

13357 Berlin-Wedding U Nauener Platz + Pankstraße
S Humboldthain + Wedding [Ring]
Bus M27 Brunnenplatz