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Verfolgung der Bahá’í erstreckt sich auf alle Lebensbereiche

Mit Behrooz Tavakkoli ist nun das dritte Mitglied der Yaran nach knapp einem Jahrzehnt unschuldiger Inhaftierung frei.

„Die Bahá’í sind allen Formen staatlicher Feindseligkeiten ausgesetzt, die man sich nur vorstellen kann. Das ist eine dramatische Situation“, sagte der UN-Sonderberichterstatter über das Recht auf Religionsfreiheit, Heiner Bielefeldt, anlässlich eines neuen Berichts der Internationalen Bahá’í-Gemeinde. Der Bericht wurde anlässlich der 22. Sitzung des UN-Menschenrechtsrates in Genf der Öffentlichkeit vorgestellt. Er dokumentiert die zunehmende Gewalt gegen iranische Bahá’í und die vollkommene Straflosigkeit, die die Angreifer im Iran genießen.

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Am 6. März 2013 stellte Diane Ala’i von der International Bahá’í-Gemeinde zusammen mit Prof. Heiner Bielefeldt, UN-Sonderberichterstatter über das Recht auf Religions- und Weltanschauungsfreiheit, den aktuellen Bericht über Straflosigkeit im Iran vor.

„Dies ist wirklich einer der offensichtlichsten Fälle staatlicher Verfolgung”, sagte er und fügte hinzu, dass sich die Unterdrückung der Bahá’í „auf alle Gebiete staatlicher Aktivitäten – vom Familienrecht über Schulbildung, Ausbildung und Sicherheit“ erstreckt.

Er rief in Erinnerung, wie stark eine solch breit gefasste Verfolgung einen Menschen im Verlauf seines Lebens beeinträchtige. „Stellen Sie sich vor, was dies für ein Schulkind, Kindergartenkind oder gar Kleinkind bedeutet. Mit dem Stigma behaftet zu sein, dass mit deiner Familie etwas nicht stimmt, das Du Dich verändern und anpassen musst”, sagte Bielefeldt, der im Hauptberuf Professor für Menschenrechtspolitik an der Universität Nürnberg-Erlangen ist. „Wenn man dann das Alter der Hochschulbildung erreicht hat, ist das Problem wie man die Zulassung bekommen soll“, fügte er hinzu. „Wir haben zahlreiche Fälle, in denen Bahá’í aus Universitäten und anderen Hochschuleinrichtungen ausgeschlossen wurden.“

„Und stellen Sie sich vor was es bedeutet, wenn ein Mensch seinen Platz im Leben sucht, einen Arbeitsplatz. Es gibt für Bahá’í nicht die geringste Chance, im öffentlichen Dienst angestellt zu werden. Doch selbst in der Privatwirtschaft wird gemobbt und gebrandmarkt. Wie kann ein Mensch eine Familie gründen, wenn es keinen rechtlichen Raum für Bahá’í gibt, eine Ehe rechtskräftig zu schließen?“, fragte Bielefeldt und wies darauf hin, dass dieser Mangel eine große Bandbreite von Anliegen – von Erbschaftsrecht bis Sorgerecht – nach sich zieht. Angriffe hörten noch nicht einmal mit dem Tod auf, ergänzte er. „Friedhöfe werden entweiht und sogar mit Planierraupen eingeebnet.“

Mit Blick auf den Bericht „Violence with Impunity: Acts of aggression against Iran’s Baha’i community“, sagte Bielefeld, dass die zunehmende Gewalt gegen iranische Bahá’í und das Ausmaß, in dem Angreifer straffrei ausgehen, offensichtlich ist. „Bahá’í müssen nicht nur darauf gefasst sein, dass sie nicht geschützt werden. Regierungsbehörden sind oft ablehnend und feindselig gesinnt.“ (BWNS)

Marc Engelhardt berichtet inzwischen für den Deutschlandfunk aus Köln über die Diskussionen um Religionsfreiheit beim UN-Menschenrechtsrat. Darin äußert sich Prof. Bielefeldt auch zur Lage der Bahá’í im Iran. Der Beitrag aus der Sendung „Tag für Tag“ vom 13. März 2013 kann hier nachgehört:

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