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Dissident küsst Bahá’í-Kind die Füße und entschuldigt sich

Der Aachener Bundestagstagsabgeordnete Rudolf Henke (CDU) zeigt seine Unterstützung für den im Iran inhaftierten Behrouz Tavakkoli.

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Mohammed Nourizad: „Mein Junge,ich entschuldige mich bei dir im Namen all jener, die dich und deine Bahá’í-Freunde in diesen Islamischen Jahren immer wieder zum Opfer der Ungerechtigkeit machen.“

Am 15. Juli küsste der einst streng konservative Unterstützer des iranischen Regimes und vormalige Journalist der ultraorthodoxen Tageszeitung Kayhan, nun aber regierungskritische Aktivist Mohammed Nourizad die Füße eines vierjährigen iranischen Bahá’í-Jungen, berichtet Golnaz Esfandiari für den englischsprachigen Blog Persian Letters von Radio Free Europe/Radio Liberty.

Diese Geste der Versöhnung an den Jungen Artin ist auf zweierlei Art bemerkenswert. Erstens spielt Nourizad auf die Geste von Papst Franziskus von Gründonnerstag an. An diesem Tag feierte das katholische Oberhaupt in der römischen Jugendstrafvollzugsanstalt „Casal del Marmo“ mit etwa fünfzig Strafgefangenen die Abendmahlsmesse und wusch bei der Messe „in Coena domini“ zwölf Jugendlichen die Füße – auch jene einer serbischen Muslima. Esfandiari zitiert Nourizad daher wie folgt:

Wenn der Papst, der Führer der weltweiten katholischen Gemeinde, sich verneigt, die Füße einer muslimischen Kriminellen wäscht und dann küsst, warum kann ich dann nicht dem gleichtun als Repräsentant des Büros des [iranischen Obersten Rechtsgelehrten Ajatollah Ali Khamenei] und so [vieler] schiitischer Quellen der Nachahmung?“

Zweitens muss Mohammed Nourizad gewusst haben, dass Bahá’í in der Iranischen Republik Iran als „unrein“ gelten und er mit dieser Geste ein absolutes Tabu bricht. Sepher Atefi hat erst unlängst hier eine Stellungnahme des Obersten Führers zitiert:

Bahá’í sind Heiden, unrein und Feinde eurer Religion. Ihr solltet euch von ihnen fernhalten und mit ihnen keine Geschäfte eingehen.

Nourizad machte das Ereignis selbst publik, indem er ein Foto sowie einen Bericht darüber auf seinen Blog stellte, berichtet Golnaz Esfandiari für Persian Letters. Nourizad informierte auch darüber, dass Artin von seiner Großmutter versorgt werde, da seine Eltern aufgrund ihrer Glaubenszugehörigkeit im Gefängnis seien. Artins Großvater wurde vor einigen Jahren ermordet, „höchstwahrscheinlich“ auf Basis einer Spionageanklage, heißt es. Artins Eltern gehörten zu den vielen Bahá’í im Iran, die im Gefängnis sitzen, weil sie Bahá’í-Jugendlichen in einem dezentral betriebenen, informellen Netzwerk Universitätsbildung vermittelten. Jeglicher Zugang zu den staatlichen Universitäten ist den Bahá’í seit Beginn der Islamischen Republik untersagt. Auf seinem Blog schreibt Nourizad den Angaben zufolge:

Der kleine Artin trifft [seine Eltern] jeden Sonntag. Er geht ins Karaj [-Gefängnis], seinen Vater und Onkel zu treffen, und ins Evin-Gefängnis, um seine Mutter zu treffen. Artins Eltern haben kein Verbrechen begangen, außer dass sie Bahá’í sind.“

Mohammed Nourizad wurde 2009 selbst in Haft genommen, nachdem er in mehreren Offenen Briefen die brutalen Razzien der Sicherheitsbehörden gegen Demonstranten kritisierte, die die Rechtmäßigkeit der Wiederwahl von Mahmud Ahmadinedschad zum Präsidenten des Landes in Zweifel zogen.