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Bahá’í-Gemeinde bestürzt über Ermordung von Ataollah Rezwani im Iran

Mahvash Sabet wird am 18. September 2017 nach neuneinhalb Jahren ungerechter Haft aus dem Gefängnis entlassen.

965_00_rezvaniDie Bahá’í-Gemeinde in Deutschland ist über die Ermordung des bekannten Bahá’í Ataollah Rezwani in der südiranischen Stadt Bandar Abbas zutiefst bestürzt. Er wurde am 24. August in seinem Auto ermordet aufgefunden. Die Bahá’í appellieren an die Bundesregierung, gegenüber der iranischen Regierung auf die Bestrafung der Täter zu dringen.

„Ataollah Rezwani starb durch einen Schuss in den Hinterkopf. Sein Körper wurde am 24. August an einem Bahnhof außerhalb der Stadt tot in seinem Auto aufgefunden, nachdem er dem Anschein nach von seinen Mördern gezwungen worden war, dort hinzufahren. Die Ermordung ist eindeutig religiös motiviert und im Kontext der nicht nachlassenden Verfolgungspolitik der iranischen Regierung gegen die Bahá’í des Landes zu sehen“, erklärt der Sprecher für Menschenrechtsfragen der Bahá’í-Gemeinde in Deutschland, Prof. Ingo Hofmann. „In den letzten Jahren haben lokale Religionsführer in Bandar Abbas und andernorts schon oft versucht, in ihren Freitagspredigten die Bevölkerung gegen die Bahá’í aufzuhetzen.“

Ataollah Rezwani war in der am Persischen Golf gelegenen Stadt Bandar Abbas als Bahá’í äußerst bekannt und beliebt. Als junger Mann musste er – da er Bahá’í war – sein Ingenieursstudium zwar abbrechen. Trotzdem hatte er sich in der Folge einen Namen als Experte für Wasseraufbereitung gemacht. Erst kürzlich wurde er auf Druck des Geheimdienstministeriums von seiner Arbeitsstelle entlassen. Stattdessen musste er sein Geld mit dem Verkauf von Maschinen zur Wasseraufbereitung verdienen. Die gleichen Regierungsbeamten, die für seine Entlassung sorgten, drängten ihn, zusammen mit seiner Familie die Stadt zu verlassen. Rezwani erhielt danach regelmäßig Drohanrufe.

Die Bahá’í-Gemeinde in Deutschland appelliert an die Bundesregierung, die iranische Regierung aufzufordern, die Verantwortlichen für dieses Verbrechen der Justiz zu überstellen, die Sicherheit der Bahá’í in ihrem Land zu gewährleisten und ihnen die seit langem vorenthaltenen Bürgerrechte zu gewähren.

Die Bahá’í sind die größte nicht-muslimische religiöse Minderheit in der Islamischen Republik Iran. Doch werden sie nicht als Religion anerkannt. Seit jeher bekämpft die schiitische Geistlichkeit gemeinsam mit der iranischen Regierung die Bahá’í als Ketzer und Apostaten. Da der Stifter der Bahá’í-Religion, Bahá’u’lláh (1817-1892), im heutigen Israel begraben liegt, gelten sie als „Zionisten“ und „Spione Israels“. Ihre friedliche und weltoffene Religion, die sie dazu ermutigt, einen Beitrag für das gesellschaftliche Wohlergehen zu leisten, macht die Bahá’í in den Augen der iranischen Regierung zur staatsgefährdenden Gruppe. In Deutschland hat die Bahá’í-Gemeinde seit 2013 einen Status als Körperschaft des öffentlichen Rechts.