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Bahá’í schreiben an Präsident Rohani

Mahvash Sabet wird am 18. September 2017 nach neuneinhalb Jahren ungerechter Haft aus dem Gefängnis entlassen.

Nachdem wir hier bereits von einer inneriranischen Reaktion auf dem Mord an Ataollah Rezwani berichteten, wird das Echo auf den Mord an den Bahá’í vom 24. August stärker. So veröffentlichten mehrere Blogs einen offenen Brief von Bahá’í an den neuen Präsidenten des Landes, Hassan Rohani. Die Unterzeichnerinnen sind allesamt selbst Gefangene im berüchtigten Teheraner Evin-Gefängnis. Darunter befinden sich auch Fariba Kamalabdi und Mahvash Sabet (Shahriari), die bis zu ihrer Inhaftierung 2008 Mitglieder der informellen iranischen Bahá’í-Führung waren. Wir veröffentlichen den offenen Brief in einer deutschen Übersetzung.

An den verehrten Präsidenten der Republik Iran,

nachdem seit der Islamischen Revolution von 1979 nahezu 35 Jahre vergangen sind, sehen wir uns jetzt – mit äußerster Fassungslosigkeit, großer Trauer und immensem Schmerz – der Fratze eines entsetzlichen Mordes an einem aufrechten iranischen Bürger gegenüberstehen.

Während der Herrschaft der Islamischen Republik Iran ist die Gewährleistung der unveräußerlichen Rechte, die in der Verfassung des Landes festgelegt sind, den Anhängern dieser Religion, der größten religiösen Minderheit des Landes, vorenthalten worden.

Obwohl sich die Bahá’í vollkommen aus politischen Angelegenheiten heraus halten, sich in Zeiten politischer Umwälzung weigern, im Untergrund zu arbeiten, und an ihrer Entscheidung, ihrem angestammten Land aufrichtig zu dienen festhalten, hat sich der rechtswidrige Druck auf die Gemeinde in den letzten acht Jahren vervielfacht. Das Ausmaß an Verhaftungen und Verurteilungen hat zugenommen. Drohungen und vermehrte Einschränkungen gefährden ihr Leben.

Es gab die Hoffnung, dass durch die neue Regierung – die ihr Amt als eine Herrschaft von „Weisheit und Hoffnung“ bezeichnet und das unmissverständliche Versprechen abgab, sich bei der Behandlung aller Iraner an die Verfassung zu halten – die iranischen Bahá’í, wie ihre Landsleute auch, die in ihrer Verfassung garantierten Rechte wie auch ihre Bürgerrechte in Anspruch nehmen könnten. Auf solche Weise hätten die Bahá’í das Recht, ihrem geheiligten Heimatland unter dem Schutz des Gesetzes und der Gerechtigkeit zu dienen. Und auf solcher Weise wären sie in der Lage, einem Leben und einem Lebensunterhalt nachzugehen, das verwurzelt ist in den moralischen und geistigen Lehren ihrer Religion. Doch bedauerlicherweise hat uns am Beginn der Regierung von “Weisheit und Hoffnung” eine ungewöhnliche, unrechte und unmenschliche Tat schmerzliche Fassungslosigkeit bereitet und Hoffnung in Trauer verwandelt.

Nun möchten wir – verbunden mit unserem Mitgefühl für die geschätzte und honorige Familie von Atoullah Rezwani, wie auch für die gesamte Bahá’í-Gemeinde und unsere lieben Landsleute – den verehrten Präsidenten Hasan Rohani dringend dazu auffordern, die Gründe und Ursachen zu ermitteln, die zu dieser unmenschlichen Tat führten und die dafür Verantwortlichen Recht und Gesetz zuzuführen.

Wir hoffen aufrichtig, dass jeder Tropfen des reinen Blutes jenes edlen Märtyrers durch die Venen und Arterien dieses heiligen Landes fließen möge. Dass die Samen der Brüderlichkeit, der Gleichheit und der Liebe in diesem gefrorenen Garten gesät werden mögen, damit der wohltuende Frühling kommt und bunte Blumen blühen und das Land Iran schmücken.

– die Bahá’í-Gefangenen in der Frauenabteilung des Evin-Gefängnisses

Faran Hesami, Nooshin Khadem, Leva Khanjani, Zhinous Rahimi, Mahvash Shahriari, Fariba Kamalabadi