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Religiöser Hass: Familie im Iran wird Opfer von Messerattacke

Mahvash Sabet wird am 18. September 2017 nach neuneinhalb Jahren ungerechter Haft aus dem Gefängnis entlassen.

Eine Bahá’í-Familie wurde am vergangenen Montag offensichtlich aus Gründen religiösen Hasses Opfer einer Messerattacke. Wie die Internationale Bahá’í-Gemeinde inzwischen bestätigte, trug sich der Vorfall bereits am 3. Februar im Haus der Familie in der iranischen Provinzhauptstadt Birjand in Süd-Khorasan zu, nachdem sich ein Unbekannter Zugang zum Haus verschafft hatte. Die als engagierte Bahá’í bekannten Eheleute und ihre Tochter überlebten schwer verletzt. Seit 2005 verzeichneten die iranischen Bahá’í 50 derartiger Vorfälle, die allesamt straffrei blieben.

Berichten zufolge drang der maskierte Täter abends gegen zwanzig Uhr in das Haus von Godratollah Mavadi und seiner Frau Touba Sabzehjou ein. Er griff die Eheleute und ihre Tochter Azam sofort mit einem Messer an und verletzte sie schwer. Herr Mavadi erlitt Verletzungen am Bauch und an der Seite, Frau Sabzehjou am Nacken. Beide verloren durch Blutverlust ihr Bewusstsein. Obwohl die Tochter Azam Mavadi selbst schwer verletzt wurde, gelang es ihr, die Polizei anzurufen. Die drei wurden sofort auf die Intensivstation des Krankenhauses gebracht, wo sie derzeit genesen. Diane Alai, Sprecherin der Internationalen Bahá’í-Gemeinde bei den Vereinten Nationen in Genf, sagte, dass der Täter offensichtlich vorhatte, drei unschuldige Bahá’í zu ermorden. „Es besteht kein Zweifel daran, dass dieses Verbrechen religiös motiviert war. Herr Mavadi war bekannt als eine engagierte Persönlichkeit der Bahá’í-Gemeinde in Birjand.“

„Unsere erste Sorge gilt nun der Gesundheit der Familie Mavadi. Uns liegt jedoch auch daran, dass die iranischen Behörden unverzüglich beginnen, das Verbrechen zu untersuchen und den Täter zu ermitteln.“

Diane Alai zufolge sind seit 2005 über 50 Bahá’í tätlich angegriffen worden. Kein Täter sei strafrechtlich verfolgt oder anderweitig zur Rechenschaft gezogen worden. Weiterhin kamen im gleichen Zeitraum mindestens neun Bahá’í unter ungeklärten Umständen zu Tode, erklärte die Sprecherin. „Ihre Mörder genießen bis heute gleichfalls Straffreiheit. Zum Beispiel wurde vor kurzem ein Bahá’í in Bandar Abbas ermordet. Die Polizei hat in diesem Fall noch keinerlei Anklage erhoben“, sagte Alai. Das Opfer, Ataollah Rezvani, hatte ebenfalls eine Führungsrolle in seiner Gemeinde inne. Er wurde am 24. August 2013 in seinem Auto durch einen Genickschuss getötet.

„Wenn die Behauptung der neuen Regierung von Präsident Hassan Rohani aufrichtig gemeint ist, dass unter seiner Präsidentschaft alle iranischen Bürger gleiche Rechte genießen, so sollte dieser neue Vorfall äußerst ernst genommen und die Suche nach dem Täter sofort eingeleitet werden.“ Ermutigend sei indes, dass erneut Iraner, die nicht zur Bahá’í-Gemeinde gehören, ihre Betroffenheit mitteilen und Unterstützung für die iranische Bahá’í zusichern. Dies belegen verschiedene Interneteinträge, in denen gefordert werde, die iranischen Bahá’í gerecht zu behandeln, so Alai.