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Hochrangiger Geistlicher ruft zu religiöser Toleranz auf

Mahvash Sabet wird am 18. September 2017 nach neuneinhalb Jahren ungerechter Haft aus dem Gefängnis entlassen.

In einer bislang einmaligen Geste teilte der iranische Geistliche Ayatollah Abdol-Hamid Masoumi-Tehrani seine Wertschätzung für die Bahá’í im und außerhalb des Irans mit. Der auch als Kalligraph bekannte Geistliche machte gestern öffentlich, dass er den Bahá’í der Welt von ihm illustrierte Verse aus den Schriften Bahá’u’lláhs übergeben habe, des Stifters der Bahá’í-Religion.

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Ayatollah Tehrani teilte auf seiner Webseite mit (die deutsche Übersetzung der Stellungnahme_Abdol-Hamid Masoumi-Tehranis), dass er die Kalligraphie zur Erinnerung angefertigt habe, wie wichtig es sei, „alle Menschen wertzuschätzen, friedlich miteinander zu leben, zusammenzuarbeiten und sich gegenseitig zu unterstützen, Hass zu vermeiden genauso wie Feindschaft und religiöse Vorurteile.“

So entstammt der Textauszug, den er für die Kalligraphie an die Bahá’í aussuchte, aus Bahá’u’lláhs Kitab-i-Aqdas: „Verkehret mit allen Religionen in Herzlichkeit und Eintracht, auf dass sie Gottes süße Düfte von euch einatmen. Hütet euch, dass euch im Umgang mit den Menschen nicht die Hitze törichter Unwissenheit übermanne. Alles hat seinen Anfang in Gott und alles kehrt zu Ihm zurück. Er ist aller Dinge Ursprung, und in Ihm haben alle Dinge ihr Ende.“

Das komplexe Kunstwerk bedurfte sorgfältiger Handarbeit über mehrere Monate hinweg. In seinem Zentrum stellt es ein Symbol der Bahá’í dar, das als „Größter Name“ bekannt ist. Dieses Symbol ist selbst eine Kalligraphie, die die Beziehung zwischen Gott, Seinen Propheten und der Schöpfung darstellt. Das Werkt misst rund sechzig mal siebzig Zentimeter und ist im klassischen Stil ausgeschmückt.

Ayatollah Tehrani übergab diese auserlesene Arbeit allen Bahá’í der Welt, wie er betont, besonders aber den Bahá’í in der Islamischen Republik Iran, die „auf so vielfältige Weise unter blinden religiösen Vorurteilen gelitten haben“. Es sei „ein Ausdruck der Sympathie und Fürsorge von mir und im Namen aller meiner wohlmeinenden Mitbürger.“

Ein Akt der Hochherzigkeit

Seine Hoffnung sei es, dass dieses Geschenk, „das das Universale Haus der Gerechtigkeit aufbewahren wird [das ist die international höchste Körperschaft der weltweiten Bahá’í-Gemeinde mit Sitz in Haifa, Israel, d. Red.], als Erinnerung an die reiche jahrhundertealte iranische Tradition der Freundschaft und seiner Kultur des Miteinanders dienen wird.“

In Antwort darauf teilte Bani Dugal, Sprecherin der Internationalen Bahá’í-Gemeinde am Sitz der Vereinten Nationalen in New York, mit: „Die Internationale Bahá’í-Gemeinde ist tief berührt über diesen Akt der Hochherzigkeit und den Empfindungen religiöser Toleranz und des Respekts der menschlichen Würde, die er geweckt hat.“

„Diese mutige Handlung eines hohen islamischen Geistlichen ist im zeitgenössischen Iran ohne Beispiel“, so Frau Dugal. „Sie ist außerdem im Lichte der fortdauernden und systematischen Verfolgungen der Bahá’í-Gemeinde dieses Landes durch die islamische Regierung bemerkenswert.“

Bereits bei vorangegangenen Gelegenheiten hatte Ayatollah Teherani mit großem Mut seine Sorge über die fortdauernden und schwerwiegenden Verfolgungen religiöser Minderheiten, darunter die der Bahá’í im Iran, öffentlichkeitswirksam kundgetan. Ayatollah Tehranis weitere Arbeiten umfassen Schmuckausgaben des Koran, der Torah, der Psalmen, des Neuen Testaments und des Buchs Esra aus der hebräischen Bibel. Seine schmuckvolle Abschrift einiger Psalmen ist derzeit in der Kongress-Bibliothek in Washington D.C. zu sehen. (BWNS)