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Die Zerstörung des Friedhofs in Schiras geht weiter

Mit Behrooz Tavakkoli ist nun das dritte Mitglied der Yaran nach knapp einem Jahrzehnt unschuldiger Inhaftierung frei.

Trotz internationalen Protests fährt die iranische Revolutionsgarde damit fort, einen historischen Bahá’í-Friedhof in Schiras zu zerstören. Bahá’í fordern die internationale Staatengemeinschaft auf, weiterhin ihre Stimme gegen das auch nach iranischem Recht illegale Vorgehen zu erheben.

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New York, 8. Mai 2014 — Die laufende Demontage wird offenbar ohne behördliche Genehmigung unvermindert fortgesetzt. Seitdem die ersten Meldungen über die Zerstörung des Friedhofs in der ganzen Welt zu Protesten vor allem im Internet führten, wurde weiterhin bekannt, dass die örtliche Behörde keinerlei Erlaubnis für die Zerstörung erteilt hatte. Die Revolutionsgarde hatte das Gelände des Friedhofs, auf dem rund eintausend Bahá’í begraben liegen, vor drei Jahren in Besitz genommen und angekündigt, dort den Bau eines neuen Kultur- und Sportzentrums voranzutreiben – ohne offensichtlich dabei die Rechtsvorschriften zu achten.

Der Berater für religiöse und ethnische Minderheiten des iranischen Staatspräsidenten Hassan Rohani sprach unterdessen am vergangenen Freitag in einer Synagoge in Schiras davon, dass alle Iraner die Rechte der religiösen Minderheiten respektieren sollten. Ali Younesi soll beim Synagogenbesuch gesagt haben: „Der Iran gehört den Iranern aller Minderheiten und sie alle haben das Recht, in Frieden unter anderen Menschen zu leben“. Und: “Keiner hat das Recht, die Rechte von Minderheiten zu verletzen.”

Bani Dugal, Sprecherin der Internationalen Bahá’í-Gemeinde bei den Vereinten Nationen in New York, kommentierte diese Aussage gegenüber dem Bahá’í World News Service, der Präsidentenberater habe sich anscheinend über die Kontrolle der Regierung über die Revolutionsgarde lustig gemacht. „Ein Top-Berater von Hassan Rohani fordert die Iraner bei einer Ansprache in einem jüdischen Gotteshaus dazu auf, die Rechte religiöser Minderheiten zu respektieren, während die Revolutionsgarde sich in einem anderen Teil größte Mühe gibt, die heilige Stätte einer anderen religiösen Gruppe zu zerstören“, meinte Dugal. „Ganz abgesehen von der Ungerechtigkeit ist diese Ironie einfach unglaublich.“ Die Bahá’í hofften darauf, dass Präsident Rohani eingreifen und die Revolutionsgarde an dieser Entweihung hindert, meinte Dugal.

Die Sprecherin meinte weiterhin: „Vor dem Hintergrund der historischen Bedeutung dieses Stücks Land, auf dem etwa 950 Bahá’í begraben sind – darunter zehn Frauen, die 1983 durch Erhängen hingerichtet wurden –, ist dieses Vorgehen nicht nur illegal, sondern moralisch äußerst verwerflich.“

Dugal forderte die internationale Staatengemeinschaft auf, ihre Stimme weiterhin gegen das Vorgehen der Revolutionsgarde zu erheben – in der Hoffnung, dass es die iranische Behörde dazu bringt, die Zerstörung zu stoppen.

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„Bahá’í in der ganzen Welt sind durch den überwältigenden Ausdruck von Betroffenheit in den Medien und insbesondere von im Inland und Ausland ansässigen Iranern, die dieses Vorgehen verurteilen, tief bewegt“, ergänzte die Sprecherin. Viele Iraner haben ihrer Wut und Sorge über das Internet Ausdruck gegeben.

„Ich bin schiitischer Muslim und nun wird meine Religion zu einer großen Belastung für mich, weil sie den Friedhof einer anderen Religion zerstört”, schrieb jemand als Antwort auf einen Beitrag bei Radio Farda, einer persischsprachigen Nachrichtenseite. „Herr Rohani, wachen Sie bitte auf!”

Auf einer persischsprachigen Facebook-Seite veröffentlichte ein Leser einen Artikel über die Zerstörung des Schiraser Friedhofs. Ob pro oder contra, religiös oder atheistisch: wie könne man ein solches Vorgehen nur gut heißen? „Wer von euch unterstützt diese Tat der Islamischen Republik gegen unsere Bahá’í-Mitbürger?“ fragte der Leser.

Am 1. Mai war der Internationalen Bahá’í-Gemeinde bekannt geworden, dass die Revolutionsgarde Ende April eine Fläche von etwa 200 Quadratmetern ausgehoben und etwa 40 bis 50 LKWs für weitere Ausgrabungen heranfahren ließ. (Fotos: BWNS)