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Human Rights Watch dokumentiert unrechtmäßige Inhaftierungen in Iranischem Gefängnis

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In einem am Montag veröffentlichten Bericht „Locked Up in Karaj: Spotlight on Political Prisoners in One Iranian City“ („Eingesperrt in Karaj: Fokus auf politische Gefangene in einer iranischen Stadt“) dokumentiert die  internationale Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) auf 59 Seiten die Untersuchung von 189 Inhaftierungen in den Gefängnissen der im Nord-Westen Teherans gelegenen Stadt.

Nachdem eine offizielle Anfrage an das Iranische Justizministerium zu 175 dieser Fälle keine Antwort brachte, stützt sich die Analyse auf die Aussagen von  Anwälten, Familienangehörigen und anderen Menschenrechtsorganisationen. Die Untersuchung der 189 Fälle durch  HRW  kommt zu dem Schluss, dass 63 Menschen einzig aufgrund der Ausübung ihrer fundamentalen Menschenrechte inhaftiert sind, wie etwa freie Meinungsäußerung und das Recht auf friedliche Versammlung.

Neben der Beleuchtung unterschiedlicher Fälle der politischen Gefangenschaft von Oppositionellen, Bloggern und Journalisten, einem Anwalt und anderen Menschenrechtsaktivisten wird auch auf die Inhaftierung und Verurteilung von 33 Bahá’í im Rajai Shahr-Gefängnis eingegangen, dass auch als Gohardasht-Gefängnis bekannt ist:

 „Human Rights Watch’s investigation identified 38 peaceful religious activists and community leaders, the majority of them are members of Iran’s Baha’i minority, whom the Iranian authorities are holding at both Rajai Shahr prison and the Central Prison in Karaj. At least 136 Baha’is are detained in Iranian prisons for their peaceful activities.[63]

HRW geht in seinem Bericht vor allem auf die Inhaftierung des ehemaligen inoffiziellen Führungsgremiums der Bahá’í im Iran, der sog. Yarán ein, deren fünf männliche Mitglieder im Gohardasht-Gefängnis  eine 20jährige Haftstrafe wegen angeblicher Spionage, „Beleidigung religiöser Heiligtümer“ und der „Verbreitung von Korruption auf Erden“ erleiden müssen. Die zwei Frauen befinden sich derzeit in einem anderen Gefängnis.

„All the charges were related to their peaceful activities as leaders of the Baha’i community. Authorities have often leveled the charge of spying against Baha’is because of the faith’s supposed links to Israel (the tomb of the faith’s founder, Baha’u’llah, is near Acre in what is now Israel).[64] A lawyer familiar with the case of these Baha’i leaders told Human Rights Watch that the government provided no evidence at trial to substantiate the government’s espionage charges.[65]“

Als weitere Gruppe inhaftierter Bahá’í geht der Bericht von HRW auf Mitarbeiter des 2011 als illegal erklärten „Bahai Instituts für höhere Bildung (Baha’i Institute for Higher Education, kurz: BIHE)“ ein, das als privates Weiterbildungsnetzwerk für Junge Bahá’í, denen der Zugang zu höherer Bildung im Iran verweigert wird, fungierte:

„In 2011, authorities raided the Baha’i Institute for Higher Education, an online correspondence university created in 1987 to serve Baha’is, whom the government systematically bars from university education. Officers arrested and jailed at least 30 faculty members and administrators. Revolutionary courts convicted them of “membership in the unlawful” university, and “membership in the subversive Baha’i group with the intent to act against the national security,” and sentenced them to prison.[67] At least 11 of these 30 faculty members and administrators are detained in Ward 4, Room 12 of Rajai Shahr prison, according to a former prisoner and another source familiar with these cases.[68]“

Der stellvertretende Direktor für den Mittleren Osten und Nord Afrika bei HRW, Joe Stork nimmt die Veröffentlichung des Berichts zum Anlass Irans Präsident Hassan Rouhani bei der Einhaltung der Menschrechte stärker in die Pflicht zu rufen:

„The lion’s share of responsibility for releasing these prisoners rests with the judiciary, but President Hassan Rouhani and his cabinet should be doing more to press for their release.” […] “And Iran needs to release anyone being held for exercising their legal rights.”