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Hochrangige UN-Menschenrechtsexperten fordern Stopp der Friedhofszerstörung in Schiras

Mahvash Sabet wird am 18. September 2017 nach neuneinhalb Jahren ungerechter Haft aus dem Gefängnis entlassen.

(vlnr)  Rita Izsák, Unabhängige Expertin zu Minderheitsfragen,  Ahmed Shaheed, UN-Sonderberichterstatter über Menschenrechte im Iran und Heiner Bielefeldt, UN-Sonderberichterstatter für Religions- und Glaubensfreiheit (UN Fotos/Jean-Marc Ferre and Paulo Filgueiras)

Drei hochrangige UN-Menschenrechtsexperten forderten den Iran in der vergangenen Woche auf, die fortwährende Zerstörung des historischen Bahá’í-Friedhofs in Schiras, Iran, zu beenden. Sie nannten das Vorgehen eine „inakzeptable“ Verletzung der Religionsfreiheit.

In einer gemeinsamen Presseerklärung schrieben Heiner Bielefeldt, UN-Sonderberichterstatter für Religions- und Glaubensfreiheit, Ahmed Shaheed, UN-Sonderberichterstatter über Menschenrechte im Iran, und Rita Izsák, Unabhängige Expertin für Minderheitenfragen, sie seien „bestürzt“ über Berichte, wonach die Abrissarbeiten im August wieder aufgenommen worden seien.

„Friedhöfe, wie auch Gebetsstätten, sind ein wesentlicher Bestandteil dessen, wie Menschen ihr Recht auf Religions- und Glaubensfreiheit ausüben und zeigen. Ihre Bedeutung geht über ihre physische Präsenz hinaus“, so Dr. Bielefeldt. „Übergriffe auf Friedhöfe sind inakzeptabel und eine vorsätzliche Verletzung der Religions- und Glaubensfreiheit“, fügte Herr Bielefeld hinzu. „Die iranische Regierung muss unverzüglich Maßnahmen ergreifen.”

„Die Bahá’í haben religiöse Riten und Praktiken zur Bestattung der Verstorbenen in ihren eigenen Friedhöfen und die Regierung hat nicht nur die Pflicht, diese zu respektieren, sondern auch die Friedhöfe vor Zerstörung zu schützen“, so Dr. Shaheed.

Frau Izsák drängte die iranische Regierung, konkrete Schritte zu unternehmen, um religiöse Minderheiten zu schützen.

“Die Bahá’í sind seit langem Verfolgung und Gewalttaten ausgesetzt”, sagte Izsák. “Die Behörden müssen sie vor weiterer Diskriminierung und Stigmatisierung schützen.“
„Es müssen Maßnahmen ergriffen werden, um das kulturelle Erbe religiöser Minderheiten zu schützen und zu erhalten, darunter auch Begräbnisstätten und andere Orte von religiöser Bedeutung“, fügte sie hinzu.
Der Friedhof ist Ruhestätte von etwa 950 Bahá’í, davon viele historische oder prominente Persönlichkeiten der iranischen Bahá’í-Gemeinde. So sind beispielsweise zehn Bahá’í-Frauen dort beigesetzt, deren grausamer Tod durch Hängen im Jahr 1983 zum Symbol der tödlichen Verfolgung der Bahá’í durch die Regierung wurde. Die Zerstörung der Stätte durch die iranischen Revolutionsgarden begann erstmals im April, offenbar um Platz für den Bau eines neuen Sport- und Kulturzentrums zu schaffen. Nach Aushebung einer großen, doch flachen Grube wurden die Abrissarbeiten aufgrund internationalen Drucks und des Ausdrucks der Empörung von Iranern aller Gesellschaftsschichten für mehrere Monate unterbrochen.

Berichten aus dem Iran zufolge begannen die Garden im August mit der Entfernung der sterblichen Überreste von etwa 30 bis 50 der dort beerdigten Bahá’í, um den Bau des Kultur-und Sportzentrums wieder voranzutreiben, wie bereits am 8. August 2014 berichtet.

Diane Ala’i, Sprecherin der Internationalen Bahá’í-Gemeinde bei den Vereinten Nationen in Genf, begrüßte die Stellungnahme der drei UN-Experten.

“Wir sind dankbar für die entschlossene Haltung, die diese drei unabhängigen Menschenrechtsexperten bezüglich der Situation in Schiras vertreten“, sagte Ala’i. “Die Stellungnahmen von Dr. Bielefeld, Dr. Shaheed und Frau Izsák sind ein klares Signal an den Iran, dass dieses Vorgehen vollkommen inakzeptabel ist und die Regierung ihrer Verantwortung nachkommen muss, ihre Menschenrechtsverpflichtungen zu achten und durchzusetzen, ungeachtet dessen, wer die Täter sind.”

“Die jetzige Regierung hat zahlreiche Versprechungen gemacht, seine Menschenrechtsbilanz zu verbessern, jedoch bisher versäumt, geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Nun müssen den Worten Taten folgen“, sagte Ala’i.

(Text: bwns.org)