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Religiöser Hass im Iran: Baha‘i wird Opfer tödlicher Messerattacke.

Farhang Amiri, 63, Familienvater von vier Kindern, wurde am 26. September 2016 Opfer einer tödlichen Messerattacke.Farhang Amiri, 63, Familienvater von vier Kindern, wurde am 26. September 2016 Opfer einer tödlichen Messerattacke.

Ein Baha’i wurde offensichtlich aus Gründen religiösen Hasses Opfer einer Messerattacke. Wie die Internationale Baha’i-Gemeinde inzwischen bestätigte, trug sich der Vorfall bereits am 26. September 2016 vor dem Haus der Familie in der iranischen Stadt Yazd zu, nachdem zwei Unbekannte ihn aufsuchten. Der Mann erlag kurz nach der Tat seinen Verletzungen. Seit 2005 verzeichneten die iranischen Baha’i über 50 tätliche Übergriffe, die allesamt straffrei blieben.

Das Opfer des jüngsten Mordes war Farhang Amiri, 63, Familienvater von vier Kindern. Berichten zufolge kamen zwei junge Männer unter dem Vorwand, Amiris Lieferwagen kaufen zu wollen an sein Haus. Nachdem sie zunächst nur den Sohn antrafen, kamen sie am nächsten Abend wieder. Sie griffen Farhang Amiri vor seiner Haustür gewaltsam an. Ein Familienmitglied und weitere Personen hörten seine Schreie und fanden ihn mit mehreren Stichwunden in der Brust schwer verletzt vor. Er erlag seinen schweren Verletzungen kurz nach der Ankunft in einem Krankenhaus.

Die Täter wurden gefasst und gaben vor Augenzeugen zu, Herrn Amiri mit einem Messer erstochen zu haben, welches sie eigens zu diesem Zweck mitgebracht hatten. Auf das Tatmotiv angesprochen, antwortete einer der Tatverdächtigen, dass er den Mord begangen habe, weil er wusste, dass Herr Amiri Baha’i ist.

„Die deutsche Baha‘i-Gemeinde ist zutiefst betroffen über die Ermordung von Herrn Amiri. Sie ist beunruhigt über die nicht nachlassende Verfolgung der Baha’i im Iran, die den Nährboden für solche Gewalttaten liefert“, kommentiert der Sprecher der Baha’i-Gemeinde in Deutschland, Prof. Ingo Hofmann.

„Offensichtlich hatten die Täter geplant, einen unschuldigen Baha’i zu ermorden. Es besteht kaum ein Zweifel daran, dass dieses Verbrechen religiös motiviert war. Herr Amiri war unter seinen Nachbarn für seine Freundlichkeit, Sanftheit, Weisheit und Bescheidenheit bekannt”, so Hofmann. „Er hatte mit niemandem Streit. Sein familiäres Umfeld war geprägt von Liebe und Harmonie und er ermutigte seine vier Kinder, ehrlich und vertrauenswürdig zu sein. Unsere erste Sorge gilt der Familie des Ermordeten. Uns liegt jedoch auch daran, dass die iranischen Behörden unverzüglich beginnen, dieses Verbrechen zu untersuchen und dabei gewährleisten, dass bei der Aufklärung Religionszugehörigkeit keine Rolle spielen darf“, so Hofmann weiterhin.

„Wenn die Behauptung von Präsident Rohani glaubwürdig sein soll, dass unter seiner Präsidentschaft alle iranischen Bürger unabhängig von ihrem religiösen Glauben gleiche Rechte genießen, dann muss die Aufklärung dieses Falls von der Regierung Irans äußerst ernst genommen werden“, fordert Hofmann.

Hintergrundinformationen:

Der dokumentierte Plan der Islamischen Republik Iran, die Baha’i-Gemeinde systematisch auszugrenzen, spiegelt sich auch in der Regierungszeit von Präsident Rohani in einer drastischen Zunahme von öffentlichen Hasskampagnen und von wirtschaftlichem Druck wider.

In einem am vergangenen Dienstag vorgestellten 122-seitigen Bericht der Baha’i International Community (BIC) wird ein steiler Anstieg von Hasspropaganda gegen die Bahá’í in den offiziellen oder halboffiziellen iranischen Medien verzeichnet. Die BIC listet darin mehr als 20.000 Fälle von Anti-Baha’i-Propaganda innerhalb der letzten drei Jahre auf.

Seit 2005 wurden über 50 Baha’i tätlich angegriffen. Keiner der Täter ist strafrechtlich verfolgt oder anderweitig zur Rechenschaft gezogen worden. Weiterhin kamen im gleichen Zeitraum mindestens neun Baha’i unter ungeklärten Umständen zu Tode. Ihre Täter genießen bis heute gleichfalls Straffreiheit.