Lage der Bahá’í in Iran

Seit mehr als drei Jahrzehnten werden die Bahá’í, die größte nicht-muslimische religiöse Minderheit des Iran, von der Regierung der Islamischen Republik Iran verfolgt. Seit 1979 wurden mehr als 200 Bahá’í hingerichtet, viele Hundert eingesperrt und Zehntausenden wird das Recht zur Berufsausübung, der Zugang zu Bildung und die freie Ausübung ihrer Religion verwehrt.

Der Iran ist zwar das Geburtsland Bahá‘u‘lláhs, des Stifters der Bahá’í-Religion. Er wurde jedoch 1868, achtzig Jahre vor Gründung des Staates Israel, durch die Herrscher Persiens und des Ottomanischen Reiches in die damalige Gefängnisstadt ‘Akká bei Haifa, im heutigen Israel, verbannt. Von hier aus verbreitete sich die Bahá’í-Religion zu einer weltweiten Gemeinschaft mit über sechs Millionen Anhängern in allen Kontinenten.

Trotzdem ist die Bahá‘í-Gemeinde in Iran die größte religiöse Minderheit geblieben, bis heute. Sie wird aber als nachislamische Offenbarungsreligion anders als Christen, Juden und Zoroaster nicht als „schützenswerte religiöse Minderheit“ in Artikel 13 der Landesverfassung genannt. Im Gegenteil: Bahá‘í gelten aufgrund ihres Anspruchs, einer Religionsstiftung nach dem Islam anzugehören, als Apostaten und Häretiker. Sie werden als „Unreine“ und „perverse politische Sekte“ bezeichnet, neuerdings auch als „Kult“. Die schätzungsweise über 350.000 Angehörigen der Bahá’í-Religion gelten in Iran wahlweise als „Gefahr für die nationale Sicherheit“, „Spione des Westens“ oder „Zionisten“.

Die Unterstellung der Spionage für fremde Mächte dient seit über drei Vierteljahrhunderte der Verfolgung der Bahá‘í in Iran. Seit den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts wurden ihre Widersacher in Iran nicht müde, die neue Religion als „politische Sekte“ imperialistischer Regierungen zu bezeichnen. Sie habe das Ziel, die islamische Nation zu schwächen. So wurden die Bahá‘í nacheinander als Werkzeuge der russischen, dann der britischen und US-amerikanischen Expansionspolitik angeschuldigt, schließlich als Instrument des Zionismus.

Die haltlosen Anschuldigungen dienen zur Rechtfertigung umfangreicher, systematischer und staatlich angeordneter Menschenrechtsverletzungen an den Bahá‘í, die alle Lebensbereiche betreffen und jeden Bahá‘í gleichermaßen bedrohen. Die grausame und unmenschliche Behandlung der Bahá‘í findet aller Rhetorik der gegenwärtigen Regierung zum Trotz statt vor dem Hintergrund staatlich beförderter Hetze und Hasspredigten, Bomben- und Brandanschläge gegen ihre Geschäfte als auch anderer Formen des Terrorismus. Sie haben zum Ziel, Bahá’í aus ihren Städten und Gemeinden zu vertreiben. Eine ganze Reihe anderer Verstöße und Verletzungen ihrer fundamentalen Menschenrechte ist, traurig genug, nur allzu bekannt und wird von Tag zu Tag länger. Einen aktuellen Ausschnitt dessen geben wir hier wieder.

 

Einen aktuellen Lagebericht zur Verfolgung der Bahá’í im Iran im PDF-Format finden sie HIER.

Deutsche Übersetzung des sog. Golpaygani-Memorandums als PDF inklusive Links zum persischen Original und der englischen Übersetzung.