Verweigerung des Rechts auf Bildung

Allein im Zeitraum zwischen Mitte Januar und Mitte Februar 2007 können mehr als 150 Vorfälle von Beleidigungen, Misshandlungen und sogar körperlicher Gewalt des Lehrpersonals gegen Bahá’í-Schülerinnen und Schüler in mindestens zehn iranischen Städten dokumentiert werden. Solche Vorfälle ereigneten sich auch danach noch überall im Land. Auch die Bahá’í-Kinder in Semnan blieben davon nicht verschont.

In den Jahren 2008 bis 2009 wurden folgende Vorfälle gemeldet:

  • Islamische Geistliche wurden in mindestens zwei Fällen in Schulklassen eingeladen, um Vorträge gegen die Baha’i-Religion zu halten.
  • Schulleitungen weigerten sich in mindestens zwei Fällen, Bahá’í-Kinder in ihre Schulen aufzunehmen.
  • Islamischen Schüler wurden von ihren Lehrern und der Schulleitung dazu ermutigt, Bahá’í-Schüler körperlich anzugreifen.
  • Schulleitungen versuchten, Bahá’í-Schüler auszugrenzen, indem sie die Kinder zwangen, getrennt von den anderen zu sitzen.

Auch wenn es schwierig ist zu erheben, was genau in den Semnaner Klassenzimmern gesagt oder getan wurde bzw. wird, so zeichneten sich bereits andere Übergriffe gegen Bahá’í-Kinder andernorts dadurch aus, Kinder unter Druck zu setzen und sie so zum Islam zu bekehren. Sie wurden gezwungen, nach dem Unterricht sitzen zu bleiben und sich anzuhören, wie Religionslehrer ihren Glauben verleumdeten. Der Unterricht und die Klassenarbeiten über “iranische Geschichte” basierte bzw. basiert nach wie vor auf Lehrbücher, in denen die Bahá’í-Religion schamlos verfälscht dargestellt wird. Bahá’í-Schulkindern wurde auch mehrfach aufgetragen, dass sie nicht versuchen sollten, ihren Glauben zu “lehren” oder mit anderen Schülern darüber zu diskutieren. Am 18. Mai 2008 erhielt jedes Schulkind einer Schule in Schiras einen versiegelten Briefumschlag als Geschenk einer Druckerei mit einer 12-seitigen Kinderbroschüre, in dem die Lebensgeschichte des Báb, einer Stifterfigur des Bahá’í-Glaubens, auf ironische und demütigende Weise falsch und verzerrt dargestellt wurde.

Diese Angriffe sind eine klare Folge des Golpaygani-Memorandums aus dem Jahr 1991. Im Abschnitt “Bildungs- und Kulturstatus” heißt es, dass Bahá’í in Schulen aufgenommen werden können – unter der Voraussetzung “dass sie sich nicht als Bahá’í zu erkennen geben”. Außerdem seien Bahá’í – wo immer dies möglich ist – in Schulen aufzunehmen, die eine „starke und beeinflussende religiöse Ideologie vertreten.“ Das Memorandum schreibt auch vor, dass Bahá’í-Studenten aus den Universitäten “schon während der Zulassung oder während ihrer Studien“ zu exmatrikulieren sind, „sobald bekannt wird, dass sie Bahá’í sind“.

Kurz nach der Islamischen Revolution von 1979 wurden viele Bahá’í-Jugendliche und Kinder zunächst aus den Schulen ausgeschlossen. Diese Ausschlüsse waren nicht systematisch und konzentrierten sich vor allem auf Kinder, die am einfachsten als Kinder aus Bahá’í-Familien identifiziert werden konnten. Die Ausschlüsse erstreckten sich über das gesamte Spektrum von Grundschulen über weiterführende Schulen bis hin zu den Universitäten, wo das Aufnahmeverbot praktisch undurchlässig war.  Erst zu Beginn der achtziger Jahre wurde es Schulkindern der Grundschule und weiterführenden Schulen aufgrund des internationalen Drucks erlaubt, wieder in die Schule zu gehen. Die Regierung hielt das Verbot, Bahá’í-Jugendliche an privaten und staatlichen Hochschulen und Fachhochschulen zuzulassen, bis 2004 aufrecht.

Duch Verfahrenstricks wird ihnen das Recht auf Hochschulbildung an staatlichen Universitäten im Grunde bis heute vorenthalten. Ein Student aus Semnan wurde beispielsweise im Dezember 2008 von der Fazilat-Universität zwangsexmatrikuliert. Im März des folgenden Jahres wurde ein Bahá’í-Student der Wirtschaftswissenschaften der Universität Semnan verwiesen. Im gleichen Jahr wurden drei weitere Bahá’í eine Woche nach Beginn des Semesters auf Anordnung des Sicherheitsdienstes der Universität exmatrikuliert. Als sie gegen ihren Ausschluss protestierten, wurde ihnen von der Universität mitgeteilt, dass sie eine Anordnung von höherer Stelle erhalten hätten. [Vgl. hierzu:  rechtaufbildung.bahai.de]