Medienberichterstattung

Ahmadinedschad muss sich für seinen Glauben rechtfertigen

Hochrangige Muslime, Regierungsvertreter und Parlamentarier auf der ganzen Welt haben sich der wachsenden Empörung über die ungerechte Beschlagnahmung von Grundstücken der Bahá'í in dem Landwirtschaftsdorf Ivel im Iran angeschlossen. Hier abgebildet sind, im Uhrzeigersinn von oben rechts: Der kanadische Außenminister Marc Garneau, Annika Ben David vom schwedischen Außenministerium, Jos Douma, der niederländische Sonderbeauftragte für Religions- und Glaubensfragen, Markus Grübel, Beauftragter der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit, Shaykh Ibrahim Mogra aus Großbritannien und der brasilianische Parlamentsabgeordnete Frei Anastácio.

Stephanie Rupp berichtet heute in der WELT über den „Verdacht, dass Ahmadinedschad der sogenannten Hojjatieh-Bewegung angehören könnte“.

Schon vor Monaten kursierte im Iran eine CD, auf der zu sehen ist, wie Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad manchmal einen Stuhl neben sich absichtlich leer lässt und beim Essen einen leeren Teller neben sich stellt. Für manche Beobachter fiel das allenfalls in die vor den Wahlen beliebte Kategorie „Präsidentenwitze“. Andere sehen darin schon länger einen Mosaikstein für ihren Verdacht, dass Ahmadinedschad der sogenannten Hojjatieh-Bewegung angehören könnte.

Die Bewegung ist eine Art messianische Sekte, deren Anhänger an das baldige Kommen des verborgenen zwölften schiitischen Imams Mahdi glauben und seine Ankunft vorbereiten wollen. Dass der Mahdi aus der Verborgenheit zurückkehren und die Welt retten wird, glauben die meisten schiitische Muslime – allerdings wagen sie keine Voraussage, wann dies sein wird, und treffen auch keine konkreten Vorbereitungen. Die 1953 von Scheich Mahmud Halabi gegründete Hojjatieh-Bewegung, als extremistisch eingestuft und beim Revolutionsführer Ayatollah Ruhollah Khomeini äußerst unbeliebt, richtet sich unter anderem stark gegen die Bahai. Ahmadinedschads geistlicher Mentor Ayatollah Mohammed-Taghi Mesbah Jasdi wird als ihr höchstrangiger Vertreter angesehen.

In ihrem Beitrag berichtet sie ebenfalls über die Berufung des 48jährigen konservative Theologe Sadegh Laridschani zum neuen Chef der Justiz. Er ist Bruder des Parlamentsvorsitzenden Ali Laridschani.

Allerdings dürfte der am Dienstag beginnende Prozess gegen sieben hochrangige Bahai-Führer zu seiner ersten Bewährungsprobe werden. Ihnen wird vorgeworfen, für Israel spioniert zu haben. Die Vorwürfe könnten damit zu tun haben, dass sich in der israelischen Stadt Haifa das administrative und geistige Weltzentrum der Bahai befindet. Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi, die neben dem in Haft sitzenden Anwalt Abdolfattah Soltani eine der Verteidigerinnen ist, forderte die Regierung auf, die Angeklagten freizulassen.

In der Süddeutschen Zeitung geht Rudolph Chimelli ebenfalls auf den kommenden Prozess gegen die Bahá’í ein.