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„Die Existenz einer anderen Anschauung wird als Bedrohung empfunden“

Hochrangige Muslime, Regierungsvertreter und Parlamentarier auf der ganzen Welt haben sich der wachsenden Empörung über die ungerechte Beschlagnahmung von Grundstücken der Bahá'í in dem Landwirtschaftsdorf Ivel im Iran angeschlossen. Hier abgebildet sind, im Uhrzeigersinn von oben rechts: Der kanadische Außenminister Marc Garneau, Annika Ben David vom schwedischen Außenministerium, Jos Douma, der niederländische Sonderbeauftragte für Religions- und Glaubensfragen, Markus Grübel, Beauftragter der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit, Shaykh Ibrahim Mogra aus Großbritannien und der brasilianische Parlamentsabgeordnete Frei Anastácio.

Max Klingberg von der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) gibt der Nordwest-Zeitung aus Oldenburg ein Interview zur Verfolgung christlicher Minderheiten und nimmt dabei auch Bezug zum Iran:

FRAGE: Woran liegt es denn, dass Christen aktuell die am stärksten verfolgte Glaubensgruppe darstellen?
KLINGBERG: In den Ländern, in denen Verfolgung entsteht, sind sie eine wachsende Religionsgemeinschaft. Das wird als Bedrohung und Herausforderung der eigenen Mehrheitsreligion empfunden. Wenn da jemand etwas anderes glaubt, stellt er ja die eigene Weltanschauung in Frage. Und es gibt Gesellschaften, die das nicht gut vertragen. Es ist also nicht nur Furcht vor einer Konkurrenz. Die Existenz einer anderen Anschauung wird als Bedrohung empfunden. Und wenn jemand aus den eigenen Reihen übertritt, wird das als Verrat wahrgenommen: Unter den Christen werden besonders Konvertiten verfolgt. Erst diese Woche hat es im Iran Verhaftungen gegeben – laut Berichten über 60 Menschen und einige sind immer noch in Haft. Das sind alles einheimische Konvertiten. Auf der anderen Seite gibt es im Iran alteingesessene christliche Minderheiten, die weitgehend in Ruhe gelassen werden, solange sie sich passiv verhalten.