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Jemen: Huthi-Rebellen verweigern vereinbarten Austausch von Bahá’í-Gefangenen

Hamid bin Haydara, ein seit 2013 in Haft befindliches Mitglied der jemenitischen Bahá’í-Gemeinde, wurde im Januar 2018 zur öffentlichen Hinrichtung verurteilt.

Berlin, 6. Februar 2019;  – Die Internationale Bahá’í-Gemeinde forderte gestern in einer Pressemeldung die jemenitischen Parteien nachdrücklich auf, sechs aus rein religiösen Gründen inhaftierte Bahá’í in den von den Vereinten Nationen überwachten Gefangenenaustausch mit aufzunehmen.  Der Aufruf erfolgte im Rahmen der Gespräche, die gestern zwischen den Kriegsparteien fortgesetzt wurden.

Die mit dem Iran in Verbindung stehenden Huthi-Rebellen, die die Hauptstadt Sanaa kontrollieren und die von Saudi-Arabien unterstützte jemenitische Regierung vereinbarten vergangenen Dezember einen Massenaustausch von Gefangenen. Arabischen Medien zufolge lehnten die Huthis es jedoch ab, die sechs in Sanaa inhaftierten Bahá’í in den Gefangenenaustausch mit aufzunehmen. Beobachter sagen, dass iranisch unterstützte Huthi-Rebellen diskriminierende Handlungen gegen die religiöse Minderheit durchführen, ähnlich wie im Iran.

Gestern fanden in Amman, Jordanien, unter der Aufsicht der Vereinten Nationen, weitere Gespräche über den Austausch statt. Die sechs Bahá’í, darunter der zum Tode verurteile Hamed bin Haydara, wurden in den vergangenen Wochen immer wieder vor Gericht in Sanaa zitiert.

Hamed bin Haydara beispielsweise erschien letzte Woche vor dem Berufungsgericht, um das im vergangenen Jahr ergangene Urteil anzufechten, welches seine öffentliche Hinrichtung sowie die Auflösung aller Bahá’í-Institutionen im Jemen fordert.

„Es besteht kein Zweifel, dass die Huthis die sechs Bahá’í allein aufgrund ihres religiösen Glaubens in Sana’a in Gewahrsam halten“, sagte Prof. Ingo Hofmann, Sprecher der Baháí-Gemeinde in Deutschland.  „Daher ist es wichtig, dass diese gewaltlosen politischen Gefangenen in den Gefangenenaustausch einbezogen und so schnell wie möglich freigelassen werden“, fordert Hofmann.

 

Hintergrund

Die Geschichte der jemenitischen Bahá’í-Gemeinde geht zurück auf die Anfänge des Bahá’í-Glaubens in der Mitte des 19. Jahrhunderts. In jüngster Zeit initiierte die jemenitische Bahá’í-Gemeinde (geschätzt auf einige Tausend Mitglieder) verschiedene soziale und kulturelle Hilfsprogramme zugunsten notleidender Bevölkerungsgruppen. Die Bahá’í entwickelten zunächst gute Beziehungen zu Behörden und gesellschaftlichen Gruppen, die sich jedoch seit 2016 in zunehmenden Druck auf die Bahá’í-Gemeinde wandelten. Eine erste Verhaftungswelle von Bahá’í – unter ihnen auch Stammesangehörige – ereignete sich im August 2016, eine weitere im April 2017. Im Oktober 2017 kam es zu weiteren Schauprozessen.

Am 26. September 2018 äußerte sich die Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe, Dr. Bärbel Kofler (SPD) zur Verfolgung der Bahá’í im Jemen und forderte die Freilassung der Bahá’í.

Anfang November hatte die Bundesregierung gemeinsam mit den USA, Canada und Australien eine Erklärung unterzeichnet, in der sie ihre Besorgnis über die Verschlechterung der Behandlung der Bahá’í im Jemen, insbesondere durch die Huthis in Saana, zum Ausdruck brachten. In der Erklärung fordern sie die Huthis auf, alle Bahá’í sofort freizulassen.