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Bahá’í für ihre Wahrhaftigkeit im Glauben bestraft

BERLIN, 27. Januar 2020 – Die deutsche Bahá’í-Gemeinde ist zutiefst besorgt über den Anstieg der Verfolgung der Bahá’í-Gemeinde durch die iranischen Behörden in jüngster Zeit, insbesondere über eine beunruhigende institutionelle Entscheidung, von der Bahá’í im ganzen Land betroffen sind.

Der neue iranische Personalausweis wird nur den Anhängern der in der Verfassung anerkannten Religionen – d.h. Islam, Christentum, Judentum oder Zoroastrismus – ausgestellt. Die Anhänger anderer Glaubensrichtungen, einschließlich der Bahá’í, sind dadurch gezwungen, entweder ihren Glauben zu verleugnen oder auf die grundlegendsten öffentlichen Dienstleistungen, wie z.B. die Beantragung eines Darlehens, die Einlösung eines Schecks oder den Kauf eines Grundstücks zu verzichten. Die Glaubensgrundsätze erfordern von Bahá’í wahrhaftig zu sein und ihre Religionszugehörigkeit nicht zu verleugnen. Mehrere Berichte bestätigen, dass Bahá’í dementsprechend bereits daran gehindert wurden, einen Personalausweis zu erhalten.

Darüber hinaus hat ein Gericht die Beschlagnahmung aller Grundstücke der Bahá’í im Dorf Ivel angeordnet, weil die Bahá’í „eine perverse Ideologie“ und daher keine „Legitimität im Besitz“ ihrer Grundstücke hätten. Diese empörende Entscheidung ignoriert die Tatsache, dass Bahá’í in der Gegend schon seit  Mitte des 19. Jahrhunderts ansässig sind und dort seit Generationen Grundstücke besitzen.

Allein in den letzten drei Monaten wurden Dutzende Bahá’í verhaftet, und Dutzende weitere erhielten religiös motivierte Haftstrafen von insgesamt fast einhundert Jahren. In diesem Monat wurden einzelne Bahá’í zu mehr als zehn Jahren Gefängnis verurteilt; in einem weiteren Fall wurde die Beschlagnahme von Gold gefordert, das ein Bahá’í in seinem Juweliergeschäft verwendet hat.

„Die deutsche Bahá’í-Gemeinde ist alarmiert über die jüngste Verfolgungswelle gegen die Bahá’í-Gemeinde im Iran und fordert die internationale Gemeinschaft auf, diese Menschenrechtsverletzungen ins Rampenlicht zu rücken“, sagt Jascha Noltenius, Sprecher der Bahá’í-Gemeinde in Deutschland.

„Entgegen der ständigen offiziellen Behauptungen innerhalb des Landes und bei den Vereinten Nationen, dass die Bahá’í Bürgerrechte haben, institutionalisieren die Behörden einen weiteren Mechanismus, der darauf abzielt, die Bahá’í-Gemeinde als lebensfähige Einheit zu zerstören; damit wird eine seit vier Jahrzehnten andauernde unerbittliche Verfolgungskampagne gegen die Bahá’í in praktisch allen Lebensbereichen – Kultur, Gesellschaft, Bildung und Wirtschaft – fortgesetzt. Dennoch bemühen sich die Bahá’í im Iran weiterhin, in Übereinstimmung mit den Bahá’í-Schriften zu leben, die Wahrhaftigkeit als „Grundlage aller menschlichen Tugenden“ hochhalten. Wie kann es sein, dass die Bahá’í, die sich um ihren Personalausweis, um Arbeitsplätze im öffentlichen Sektor oder um die Einschreibung an einer Universität bewerben, einzig für ihre Wahrhaftigkeit bestraft werden?“, so Noltenius weiter.

In den vergangenen drei Monaten waren Bahá’í auch zahlreichen Hausdurchsuchungen, Angriffen auf Grundstücke, Beschlagnahmungen von Eigentum, Entlassungen aus dem Arbeitsleben und der fortgesetzten Verweigerung des Zugangs zu höherer Bildung ausgesetzt. In einem Fall wurde ein Haus eines Bahá’í vollständig zerstört. In einem anderen Fall wurde ein Arbeitgeber, der selbst nicht Bahá’í ist gezwungen, eine Liste seiner Bahá’í-Angestellten vorzulegen und sie dann aus dem Arbeitsverhältnis zu entlassen.

Darüber hinaus wurde die unerbittliche Fehlinformationskampagne über den Bahá’í-Glauben, die sich an die iranische Öffentlichkeit richtet, in den Nachrichten und sozialen Medien mit voller Intensität fortgesetzt. Tausende Artikel solcher Anti- Bahá’í-Propaganda wurden allein im Jahr 2019 in Umlauf gebracht. Ein kleiner Teil dieser Inhalte ist auf der Website zur Verfolgung der Bahá’í im Iran verfügbar.

Kontakt:

Jascha Noltenius, 

Mobil: 0157 511 91 351

Sprecher der Bahá’í-Gemeinde in Deutschland