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Verfolgung der Bahá’í im Iran verschärft sich den zweiten Monat in Folge

Jascha Noltenius, Beauftragter für Menschenrechtsfragen der Bahá'í-Gemeinde in Deutschland

Berlin, 22. Juli 2022 – Seit Anfang Juli wurden mehr als 20 Bahá’í in Shiraz, Teheran, Yazd und Bojnourd festgenommen, inhaftiert oder mussten Hausdurchsuchungen und Geschäftsschließungen über sich ergehen lassen. Im vergangenen Monat wurden 44 Bahá’í verhaftet, angeklagt oder inhaftiert, was bereits auf eine Verschärfung der systematischen Kampagne der iranischen Regierung gegen die größte nicht-muslimische religiöse Minderheit des Landes hindeutete. Die Internationale Baha’i-Gemeinde (BIC) ist der Ansicht, dass die zusätzlichen Fälle dieses Monats diese Krise nun bestätigen.

„Die Bahá’í wurden in den letzten 44 Jahren kontinuierlich wegen ihres Glaubens verfolgt“, sagt Jascha Noltenius, Beauftragter für Menschenrechtsfragen der Bahá’í-Gemeinde in Deutschland. „Aber die gegenwärtige Beschleunigung ist mehr als beunruhigend: Dutzende von Bahá’í wurden in den letzten Wochen verhaftet, angeklagt oder inhaftiert, und ein Ende ist nicht in Sicht. Die Warnungen, die wir seit vielen Monaten ausgesprochen haben, werden nun wahr. Die iranische Regierung muss unverzüglich ihren menschenrechtlichen Verpflichtungen und ihrer Verantwortung gegenüber allen Iranern nachkommen, indem sie diese Verfolgung unverzüglich einstellt.“

  • Aus Yazd wurde berichtet, dass Nematollah Shadpour, Nima Shadpour und Shafigh Eslami am 20. Juli nach einer Vorladung zu den Justizbehörden verhaftet und an einen unbekannten Ort gebracht wurden. Die Wohnungen und Geschäftsräume der drei wurden durchsucht und einige persönliche Gegenstände beschlagnahmt.
  • Aus Shiraz wurde berichtet, dass Frau Niloufar Hoseini, Frau Bahiyyeh Manavipour [Moeinipour], Herr Misagh Manavipour, Frau Alhan Hashemi und Frau Hanan Hashemi am 19. Juli von den Sicherheitskräften festgenommen und an einen unbekannten Ort gebracht wurden. Die Beamten durchsuchten auch ihre Wohnungen. Die Schwester von Misagh Manavipour wurde ebenfalls von den Behörden vorgeladen.
  • In Teheran wurde Frau Haleh Gholami am 16. Juli in das Evin-Gefängnis eingeliefert, um eine zweijährige Haftstrafe zu verbüßen, nachdem sie bei der Vollstreckungsabteilung der Staatsanwaltschaft Evin vorstellig geworden war. Frau Gholami war zuvor von der Abteilung 28 des Teheraner Revolutionsgerichts wegen „Aktivitäten gegen die nationale Sicherheit des Landes“ zu einer zweijährigen Haftstrafe nach dem Tazir-Gesetz – nach Ermessen des Richters – verurteilt worden. Gegen das Urteil war Berufung eingelegt worden, es wurde jedoch von der Abteilung 26 des Berufungsgerichts der Provinz Teheran bestätigt.
  • In Bojnourd wurden am 13. Juli drei Bahá’í, Frau Sholeh Shahidi und ihre beiden Söhne, Herr Faran Sanaie und Herr Shayan Sanaie, verhaftet, und ihre Angehörigen haben seit fast einer Woche nichts über ihren Aufenthaltsort oder ihre Situation erfahren. Beamte durchsuchten die Wohnungen dieser Bahá’í und beschlagnahmten einige Besitztümer, darunter religiöse Schriften, Laptops und Mobiltelefone. Das Haus eines vierten Bahá’í in Bojnourd wurde ebenfalls durchsucht und es wurden religiöse Schriften beschlagnahmt.
  • Sechs von Bahá’í betriebene Geschäfte in Teheran und Karaj wurden von den Behörden ohne ersichtlichen Grund geschlossen und versiegelt.
  • Und in den letzten Wochen wurde den Bahá’í in Arak von den Behörden mitgeteilt, dass sie ihre verstorbenen Angehörigen nicht mehr auf dem Bahá’í-Friedhof der Stadt beerdigen dürfen.

Die BIC berichtete im vergangenen Monat auch, dass einige der Verhaftungen und Verurteilungen in Shiraz – bei denen 26 Personen zu insgesamt 85 Jahren Haft verurteilt wurden – Kinder von ihren Eltern trennen würden. Viele der jüngsten Angriffe der iranischen Regierung konzentrierten sich mit anhaltender Intensität auf die in Shiraz lebenden Bahá’í – darunter mehrere im vergangenen Monat.

„Der Bahá’í-Glaube wurde 1844 durch den Báb, einen der Religionsstifter, in Shiraz begründet“, so Noltenius. „Die Verfolgung der Bahá’í in dieser Stadt trifft den Kern der Geschichte und der Identität der Bahá’í: Eine der ersten Amtshandlungen der Islamischen Republik im Jahr 1979 war die Zerstörung des historischen Hauses des Báb in Schiraz. Möglicherweise nutzen die iranischen Behörden die Bedeutung von Shiraz, um der Bahá’í-Gemeinde eine drastische Warnung zu übermitteln. Aber was auch immer ihre Gründe sein mögen, in Shiraz und im gesamten Iran muss die Regierung die Verfolgung der Bahá’í einstellen. Die Geschichte wird sie einholen.“