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13 jugendliche Bahá’í im Iran festgenommen: nunmehr 245 Verfolgungsfälle im August

Vierzehn junge Bahai wurden gestern in der iranischen Stadt Qaemshahr in einem Privathaus festgenommen, wo sie gemeinsam die Rolle der Bildung für den sozialen Fortschritt ihres Landes besprachen.

Berlin, 1. September 2022 – Vierzehn Bahá’í, darunter dreizehn Jugendliche, wurden gestern in der nordiranischen Stadt Qaemshahr in der Provinz Mazandaran festgenommen und im Büro des Geheimdienstes von Sari inhaftiert. Die meisten Verhaftungen erfolgten in einem Privathaus, in dem die Jugendlichen gemeinsam Texte studierten und die Bedeutung von Bildung für den sozialen Fortschritt besprachen. Über die Anklagepunkte, die den jungen Bahá’í vorgeworfen werden, wurden keine Informationen veröffentlicht.

Die Verhaftungen sind die jüngsten in einer seit einem Monat andauernden Kampagne der iranischen Regierung gegen die Bahá’í im ganzen Land. Laut der Internationalen Baha’i-Gemeinde (BIC) gingen die Behörden in den letzten 32 Tagen in 245 Fällen gegen Bahá’í vor: Verhaftungen und Inhaftierungen, Zerstörung von Häusern und Beschlagnahmung von Grundstücken, Durchsuchungen von Privat- und Geschäftsräumen, Misshandlungen, Verweigerung von Medikamenten für Inhaftierte und Verweigerung von Hochschulbildung für mehr als hundert junge Menschen.

Das harte Durchgreifen wurde von den Vereinten Nationen, mehreren Regierungen, zivilgesellschaftlichen Organisationen wie Amnesty International und internationalen und persischen Medien auf breiter Front verurteilt.

„Es ist schon ironisch, dass diese Jugendlichen verhaftet wurden, als sie sich gerade über die Bedeutung von Bildung austauschten, während ihnen selbst der Zugang zu höherer Bildung von den iranischen Behörden verwehrt wird“, sagt Jascha Noltenius, Beauftragter für Menschenrechtsfragen der Bahá’í-Gemeinde in Deutschland. „Die Grausamkeit der iranischen Regierung sprengt jedes Maß. Sie verwehrt diesen jungen Menschen nicht nur den Zugang zu den Universitäten und die Entwicklung ihrer intellektuellen Fähigkeiten, sondern auch das elementare Recht, sich als Jugendliche zu treffen, um Fragen zu diskutieren, die für ihre Generation wichtig sind.“

Der Iran verfolgt die Bahá’í-Gemeinde seit der Islamischen Revolution von 1979 systematisch. Mehr als 200 Bahá’í wurden nach der Revolution getötet, und in einem 1991 vom Obersten Führer, Ayatollah Ali Khamenei, unterzeichneten Regierungsdokument wird angeordnet, den Fortschritt und die Entwicklung der Bahá’í-Gemeinde zu „blockieren“ – unter anderem durch das Verbot für junge Bahá’í, iranische Universitäten zu besuchen. In einem Brief des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Technologie, der 2006 an 81 iranische Universitäten verschickt wurde, heißt es, dass Studenten, die als Bahá’í identifiziert werden, von der Universität verwiesen werden müssen“.

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und Artikel 18 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte, die beide vom Iran ratifiziert wurden, garantieren den Bahá’í das Recht, ihren Glauben zu bekunden und zu praktizieren sowie Bildung und die grundlegenden Dinge des Lebens zu erwerben.

Einen Tag zuvor, am 30. August, wurden die Berufungen von 25 Bahá’í vor der 37. Abteilung des Berufungsgerichts der Provinz Fars abgelehnt und ihre harten Urteile bestätigt. Die 25 Personen wurden erstmals im Juni in Shiraz verurteilt und müssen nun insgesamt fast 80 Jahre ins Gefängnis.

„Gutmütige Iraner im In- und Ausland, die internationale Gemeinschaft und zahllose Menschen auf der ganzen Welt haben den Iran unmissverständlich aufgefordert, die Verfolgung der Bahá’í zu beenden“, so Noltenius. „Der Iran muss erkennen, dass seine fortdauernde Verfolgung der Bahá’í nur seine eigene Glaubwürdigkeit im In- und Ausland beschädigt und der Welt die Unschuld der Bahá’í im Iran vor Augen führt.“

In Qaemshahr verhaftete Personen:

● Hengameh Alipour

● Negar Darabi

● Golbon Fallah

● Mahsa Fathi

● Nazanin Goli

● Mani Gholinejad

● Samiyeh Gholinejad

● Bita Haghighi

● Sanaz Hekmat-Shoar

● Afnaneh Nematian

● Basir Samimi

● Mojir Samimi

● Sam Samimi

● Anis Sanaie

Im Juni in Shiraz verhaftete Personen, deren hohe Strafen in der Berufung bestätigt wurden:

● Shamim Akhlaghi

● Samareh Ashnaei

● Behnam Azizpour

● Ahdieh Enayati

● Sahba Farahbakhsh

● Mojgan Gholampour

● Saied Hasani

● Nasim Kashani [Kashaninezhad]

● Vargha Kaviani

● Mahyar Sefidi Miandoab

● Sahba Moslehi

● Bahareh Norouzi

● Parisa Rouhizadegan

● Esmail Rousta

● Yekta Fahandaj Saadi

● Marjan Gholampour Saadi

● Lala Salehi

● Shadi Sadegh Aghdam Seisan

● Farzad Shadman

● Farbod Shadman

● Ramin Shirvani

● Soroush Ighani Soghadi

● Nabil Tahzib

● Rezvan Yazdani

● Noushin Zenhari