Völkerrechtliche Verpflichtung der Huthis

Nichtstaatliche Akteure, einschließlich bewaffneter Gruppen, die Regierungsfunktionen ausüben und ein Territorium kontrollieren, sind verpflichtet, die Menschenrechtsnormen zu respektieren, wenn ihr Verhalten die Menschenrechte der von ihnen kontrollierten Personen beeinträchtigt. Dies gilt auch für die Huthis, die sowohl die Hauptstadt des Jemen als auch weite Teile im Norden des Landes kontrollieren und seit Jahren Hoheitsgewalt ausüben.

Insbesondere müssen die Huthis das Recht auf Religionsfreiheit aus Artikel 18 der Allgemeinen Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen (AEMR) sowie des UN-Zivilpakts und das Recht auf Leben aus Artikel 3 AEMR und Artikel 6 des UN-Zivilpakts gewährleisten, achten und schützen.

Der Menschenrechtsausschuss der Vereinten Nationen stellt in seiner verbindlichen Auslegung zum Recht auf Leben klar, dass die Todesstrafe gemäß Artikel 6 Absatz 2 sehr eng auszulegen ist und nur für schwerste Verbrechen verhängt werden darf, bei denen es sich um vorsätzliche Tötungsdelikte handeln muss.  Todesurteile, die wegen anderweitiger Vorwürfe verhängt wurden, müssen demnach zurückgenommen werden. Insbesondere dürfen sie nicht als Sanktion gegen Verhaltensweisen verhängt werden, die unter dem Schutz des UN-Zivilpaktes ausgeübt werden (etwa der Religionsfreiheit). Willkürlich sei eine Todesstrafe immer dann, wenn sie entgegen dem in Artikel 14 UN-Zivilpakt niedergelegten Fair Trial-Grundsatz zustande gekommen ist, also etwa bei der Erzwingung von Geständnissen, bei einer Verwehrung vertraulicher Mandantengespräche, des Fragerechts des Beschuldigten hinsichtlich relevanter Zeugen oder des Berufungsrechts des Verurteilten sowie  bei einem Verstoß gegen die Unschuldsvermutung. 

Obwohl der UN-Zivilpakt einige Einschränkungen bestimmter Rechte während eines Konflikts oder während eines offiziell verkündeten öffentlichen Notstands zulässt, müssen alle Beschränkungen vorübergehender Natur und zeitlich begrenzt sein, „soweit es die Erfordernisse der Situation unbedingt erfordern“. Bestimmte Menschenrechte, einschließlich des Rechts auf Leben, auf ein faires Verfahren und auf Freiheit von Folter, Misshandlung und willkürlichem Freiheitsentzug, müssen jederzeit, auch im Konflikt, geachtet werden.