News

Unterdrückung der Bahá’í durch den Iran verschärft sich

Die systematische Unterdrückung der Bahá'í wird zunehmend ausgefeilt im gesamten Iran fortgeführt.

Berlin, 5. Mai 2021 – Die Bahá’í-Gemeinde  in Deutschland ist besorgt über die jüngste Verschärfung der Verfolgung der Bahá’í im Iran, die auf die Umsetzung eines umfassenderen Plans der iranischen Regierung zur verstärkten Verfolgung der Gemeinschaft, der größten nicht-muslimischen religiösen Minderheit im Land, hindeutet.

Eine Reihe von Durchsuchungen der Häuser von Bahá’í und grundlose Verhaftungen von Baha’i werden derzeit im gesamten Iran durchgeführt. Bisher wurden Dutzende von Bahá’í-Häusern von den Behörden in Baharestan, Isfahan und Shiraz durchsucht, was zur Verhaftung von mehr als 20 Bahá’í führte. Zahlreiche weitere können jederzeit in Haft genommen werden. Diese Durchsuchungen und Verhaftungen sind die jüngsten in einer langen Reihe von Verfolgungsmaßnahmen, darunter die Enteignung von Grundstücken der Bahá’í im Dorf Ivel in der Provinz Mazandaran, eine vertrauliche Anweisung der Kommission für Ethnien, Sekten und Religionen in der Stadt Sari in der Provinz Mazandaran, die Bahá’í zu überwachen und zu unterdrücken, sowie das Verbot für die Bahá’í in Teheran, ihre Angehörigen auf einem ihnen zuvor zugewiesenen Grundstück auf dem Teheraner Friedhof Khavaran zu bestatten. Derartige Vorfälle bedeuten nichts weniger als eine umfassende Regierungskampagne, deren Ziel die systematische Auslöschung der Bahá’í-Gemeinde als lebensfähige Einheit ist.

Durch Wellen von mutiger nationaler und internationaler Unterstützung für die Bahá’í im Iran ist ein weltweiter Aufschrei der Solidarität entstanden für den Schutz der elementarsten Menschenrechte der iranischen Bürger. Infolgedessen wurde eine Facette der Regierungskampagne aufgehoben, indem den Bahá’í in Teheran nun gestattet wurde, fünf ihrer Verstorbenen auf dem Teheraner Khavaran-Friedhof zu begraben. Damit wurde sie wieder in die zuvor für die Gemeinschaft vorgesehene Lage versetzt.

„Die jüngsten Ereignisse haben bewiesen, dass Einigkeit und Solidarität zur Verwirklichung der Menschenrechte für alle Iraner von zentraler Bedeutung sind“, sagt Jascha Noltenius, Beauftragter für Menschenrechtsfragen der Bahá’í-Gemeinde in Deutschland. „Diese Unterstützung und Solidarität ist jetzt unerlässlich, um auf die derzeitige Verschärfung der Verfolgung der Bahá’í im Iran zu reagieren.“


Hintergrundinformationen:

Die Bahá’í sind die größte nicht-muslimische religiöse Minderheit im Iran und werden seit 42 Jahren systematisch verfolgt, wie von den Vereinten Nationen und anderen Organisationen ausführlich berichtet wird. Mehr als 200 Bahá’í wurden nach der islamischen Revolution von 1979 hingerichtet und seit den 1980er Jahren wird ihnen höhere Bildung und Lebensunterhalt verwehrt, sie werden regelmäßig in den staatlichen Medien diffarmiert und sogar ihre Friedhöfe werden geschändet.

Die Verfolgung der Bahá’í im Iran ist ausführlich auf der Website Archives of Persecution of the Baha’is in Iran dokumentiert.

Ende April 2021 verboten die iranischen Behörden den Bahá’í von Teheran, ihre Angehörigen auf einem Platz zu begraben, der ihnen zuvor auf dem Teheraner Khavaran-Friedhof zugewiesen worden war, und ließen der Gemeinde die Wahl, entweder die schmalen Lücken zwischen den bestehenden Gräbern zu nutzen, um ihre Angehörigen zu begraben, oder ein Massengrab zu benutzen, das die Behörden angeblich kürzlich geleert haben. Zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels ist die Lage für die Bahá’í in Teheran nun zu der vorherigen Regelung zurückgekehrt.

Einen Bericht zur aktuellen Verfolgungslage der Bahá’í im Iran finden Sie hier.